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Leber retten

24.01.2005  00:00 Uhr

Leber retten

Wir essen oft zu viel und zu fett. Wir infizieren uns mit den verschiedensten Viren, weil wir Pech haben oder leichtsinnig sind. Wir trinken Alkohol, weil er scheinbar zum modernen Lebensgefühl gehört. Täglich setzen wir unseren Körper schädlichen oder sogar giftigen Stoffen aus. Dass dies lange Zeit ohne Folgen bleibt, verdanken wir unserer größten Drüse – der Leber. Funktioniert sie nicht mehr einwandfrei, hat dies gravierende Konsequenzen. Apotheker sollten deshalb die wichtigsten Erkrankungen der Leber und deren Ursachen kennen

Die Leber entgiftet den Körper, inaktiviert schädliche körpereigene und fremde Stoffe, synthetisiert und speichert lebenswichtige Substanzen. Der diesjährige Pharmacon-Kongress in Davos widmete sich den vielseitigen Aufgaben des Organs und bot damit Apothekern eine exzellente Gelegenheit, das eigene Wissen auf den aktuellen Stand der Wissenschaft zu bringen. Mehr als 1100 haben diese Chance genutzt. In dieser Ausgabe fassen wir die wichtigsten Aspekte zusammen.

Zwar gilt die Leber als ausgesprochen robustes Organ, das selbst große Strapazen ohne Mucks erträgt und zerstörte Zellen rasch ersetzt, aber was zu viel ist, ist zu viel: Alkohol verursacht mit Abstand die meisten Leberschäden, er ist für etwa die Hälfte aller Zirrhosen verantwortlich. Die Weltgesundheitsorganisation hat deshalb im Laufe der Zeit ihre Empfehlungen für einen moderaten Alkoholkonsum auf täglich 20 g für Männer gesenkt, das entspricht einem halben Liter Bier oder einem Glas Wein. Für Frauen gilt die Hälfte.

Die Zirrhose ist nicht die einzige Folge übermäßigen Alkoholkonsums. Etwa 40 Prozent der Menschen, bei denen die tägliche Alkoholaufnahme den Grenzwert übersteigt, entwickeln eine Fettleber. Tröstlich ist, dass sich diese bei Abstinenz in der Regel innerhalb von zwei bis sechs Wochen zurückbilden kann. Auch mit der Ernährung kann man einen wesentlichen Beitrag leisten. Früher wurde bei Lebererkrankungen häufig eine fettarme Schonkost mit wenig Eiweiß angeordnet. Da jedoch eine solche Diät die Heilung nicht förderte, wird heute generell eine vollwertige Ernährung empfohlen.

Neben den alkoholbedingten Leberschädigungen sind Tumoren die zweite gravierende pathogene Veränderung. Das hepatozelluläre Karzinom ist inzwischen weltweit der fünfthäufigste Tumor. Die Prognose ist sehr schlecht, neue Hoffnungen liegen auf Wachstumsfaktor-hemmenden Substanzen wie Bevacizumab und Cetuximab.

Ein fundiertes Wissen in diesen Indikationen ist für Apotheker unumgänglich. Auch wenn die Therapie der meisten Lebererkrankungen in der Hand des Facharztes liegt, sind die Apotheker gefordert. Lebererkrankungen sind häufig chronisch, oft ist eine Ernährungsumstellung unumgänglich. Trotz der Schwere der Krankheit, macht die Leber keine Schmerzen. Entsprechend schwierig ist es, die Patienten zur Therapietreue zu motivieren.

Es ist deshalb wichtig, den Patienten einfühlsam und kompetent zu beraten und so den Erfolg der Leber-rettenden ärztlichen Therapie zu gewährleisten. Nur der informierte Apotheker kann seinen Patienten dabei helfen. Und nur der informierte Patient kann alles richtig machen.

Dr. Kerstin A. Gräfe
Ressortleiterin Pharmazie
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