Pharmazeutische Zeitung online

Sicher, effizient und patientennah

17.09.2001  00:00 Uhr

APOTHEKERTAG 2001
Linie2.gif (817 Byte)

Sicher, effizient und patientennah

Apotheken müssen vor allem den Bedürfnissen der Patienten gerecht werden. In seiner Grundsatzrede brachte es ABDA-Präsident Hans-Günter Friese auf den Punkt: "Wir brauchen keine Apotheken, die deutsch oder europäisch sind, sondern wir brauchen Apotheken, die ihren Sinn und Zweck erfüllen, also sicher, effizient und patientennah sind". Die Apotheken seien in der Arzneimittelversorgung dem Gemeinwohl, dem "Human Value" verpflichtet.

Grundvoraussetzung für die Patientennähe ist die fachliche Unabhängigkeit der Apotheker. Nur wenn sie gewährleistet sei, könne ein persönliches Vertrauensverhältnis zwischen Patienten und Apothekern entstehen. Die konsequente Arbeitsteilung zwischen Ärzten, Industrie und Apothekern, wie sie in Europa üblich ist, habe sich bewährt, konstatierte der ABDA-Präsident. Sie sei ein großer Wertfaktor und der wesentliche Unterschied zur angelsächsischen Apotheke.

Friese forderte von der Gesundheitsministerin eine zielorientierte Arzneimittelpolitik, ausgerichtet an den Kriterien Sicherheit, Effizienz und Patientennähe. Die Apotheker seien bereit, diese mitzuentwickeln. Sollten die Vorstellungen jedoch zu weit von den grundsätzlichen Kriterien abweichen, sei ein Konsens nicht möglich.

Als Beispiel für fehlende Zielorientierung bezeichnete er den Arzneimittelversandhandel. Dieser sei nicht sicher, weil Qualität, Zuverlässigkeit und Schnelligkeit nicht gewährleistet seien. Auch die Effizienz lasse zu wünschen übrig. Selbst Versandhändler gäben zu, dass sie allein über Rosinenpickerei profitabel arbeiten können. Über das Gesamtsortiment sind sie im Vergleich zu öffentlichen Apotheken nicht konkurrenzfähig.

Patientenorientiert sei der Versandhandel ohnehin nicht. Eine individuelle Beratung sei nur eingeschränkt möglich. Im Gegensatz zur Beratung in der Apotheke, erwachse bei der Beratung im Netz eine Holschuld für den Patienten. Er werde nur dann informiert, wenn er die Beratung selbst fordere.

Unterschiedliche Rahmenbedingungen

Ebenfalls nicht zielorientiert seien die Vorschläge zu Änderung des Apothekengesetzes. Friese riet dringend dazu, bei der Definition von Aufgaben von Krankenhaus- und öffentlichen Apotheken in der Gesetzesnovelle den ABDA/ADKA-Kompromiss zu beachten. Ein weitergehender Wettbewerb zwischen den beiden Systeme sei auf Grund der vollkommen unterschiedlichen Rahmenbedingungen völlig indiskutabel.

So arbeiteten Krankenhausapotheken hochsubventioniert. Sie tragen keine Personalkosten, Zahlen weniger Steuern und erhalten die Arzneimittel von der Industrie zu anderen Preisen. Außerdem verfügen sie nur über ein eingeschränktes Arzneimittelsortiment. Juristisch ist die Vermischung der Vertriebswege im Hinblick auf das Krankenhausprivileg beim Warenbezug zweifelhaft. So hat der Bundesgerichtshof darauf hingewiesen, dass dies zu einer unzulässigen Wettbewerbsverzerrung führt.

Zufrieden zeigte sich Friese darüber, dass der Arzneimittelpass mittlerweile bei der Politik akzeptiert werde. Zusammen mit dem elektronischen Rezept verbessere der Pass die Versorgungsqualität der Patienten. Von einer Verbindung von elektronischem Rezept und Arzneimittepass profitiere auch das gesamte System: "Sie erspart uns allen unnötige Ausgaben in Milliardenhöhe und sie ist sicher.

Ebenfalls ein Beitrag zur Vermeidung unnötiger Kosten ist die patientenorientierte "Klinische Pharmazie", die zum 1. Oktober mit der neuen Approbationsordnung eingeführt wird. In diesem Zusammenhang stehe auch das Projekt "Pharmaziepraktikant auf Station", das den Nutzen des Einsatzes von Apothekern auf Krankenhausstationen belegen soll. Die Ergebnisse von amerikanischen Studien deuten darauf hin, dass so erhebliche Kosten eingespart werden könnten. Friese: "Im Mittel wurden dort für jeden investierten US-Dollar 16 eingespart.

Der ABDA-Präsident verwies außerdem auf die weiteren Angebote der Apotheker, mit denen Sie einen aktiven Beitrag zur Arzneimittelsicherheit leisten können. Friese: "Wir können mehr als wir derzeit dürfen, und sind bereit , es zu tun." Er forderte die Politik auf, eine wirtschaftliche Basis für diese Dienstleistungen zu schaffen.

Bedeutung der Pharmazeutischen Betreuung

Als Beispiel nannte er die Pharmazeutische Betreuung chronisch Kranker. Dies Angebot erneuern die Apotheker auf jedem Apothekertag, allerdings ohne großen Erfolg. Friese: "Wir haben den Eindruck, dass die gesundheitspolitische Bedeutung noch immer nicht wirklich verstanden wird." Es gehe um das weltweite Phänomen mangelnder Patientencompliance. Der theoretische Erfolg einer Arzneimitteltherapie unterscheide sich zum Teil erheblich vom tatsächlichen Nutzen. Hier liege der Schlüssel zur wirklichen Verbesserung der Arzneimittelversorgung.

Die größte Fehlerquelle seien weder Ärzte noch Apotheker, sondern die Patienten, führt Friese aus. Fehlerhafte Einnahme der Arzneimittel oder "Arzneimittelferien" chronisch Kranker seien weit verbreitet. Dies gefährde den Therapieerfolg massiv. Die jährlichen Kosten, die in der Folge durch vermeidbare Krankenhauseinweisungen, Arztbesuche oder Pflegeleistungen entstünden bezifferte er auf 10 Milliarden DM. Diese Zahlen sollten zu denken geben: "Es ist an der Zeit, die Fachkompetenz der Apotheker mehr als bisher zu nutzen. Wir erwarten dazu ein klares Zeichen von der Bundespolitik."

Doch Kostensteuerung ist nicht alles. Ebenso wichtig sei die Beachtung des gesellschaftlichen Wandels. Dazu gehöre auch das sich ändernde Selbstverständnis des Patienten. Er sehe sich nicht mehr als Objekt, sondern wolle "als Partner des Arztes und des Apothekers wahrgenommen werden.

Diesem partnerschaftlichen Verhältnis wollen die Apotheker mit individueller Beratung und Betreuung gerecht werden. Ein partnerschaftliches Miteinander sei "in Zeiten zunehmender Informationsbedürfnisse und -möglichkeiten seitens der Patienten für uns alle ein Muss". Wenn der Patient ein gleichberechtigter Partner in Arztpraxis, Krankenhaus und Apotheke akzeptiert werde, dann sei er eher bereit über Einsicht und Eigenverantwortung, die Ratschläge des Arztes und des Apothekers zu befolgen.

Friese stellte klar, dass die Forderungen der Apotheker nach mehr Kompetenzen nicht als Einmischung in die Arbeitsbereiche anderer Berufsgruppen verstanden werden sollte. Er erwartet, dass am Runden Tisch und in dessen Arbeitsgruppen über diese Vorschläge diskutiert wird. In die angekündigte große Reform nach der Bundestagswahl sollten die Angebote der Apotheker einfließen. "Wir erwarten eine sachgerechte Prüfung unserer Vorschläge, eine ideologisch vorgegebene Antworten sind unangemessen und inakzeptabel."

 

© 2001 GOVI-Verlag
E-Mail: redaktion@govi.de

Mehr von Avoxa