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Privileg der Unabhängigkeit

17.09.2001  00:00 Uhr

APOTHEKERTAG 2001
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INTERVIEW

Privileg der Unabhängigkeit

Die Folgen des europäischen Binnenmarktes beschäftigen die Delegierten des Deutschen Apothekertages. Über die Chancen und Risiken sprach die PZ mit ABDA-Präsident Hans-Günter Friese.

PZ: Herr Friese, sehen sie im Zusammenwachsen Europas eher Chancen oder Risiken?

Friese: Wir müssen die europäische Einigung als Plattform begreifen, in die wir uns stark einbringen sollten. Formal ist durch die Verträge von Amsterdam und Maastricht zwar die nationale Hoheit im Gesundheitswesen gegeben, aber durch eine Reihe von Transparenzmaßnahmen wird es zu Konvergenzen und Angleichungen kommen.

PZ: Betrifft dies auch den Apothekenbetrieb? Wäre ein einheitliches europäisches Apothekengesetz denkbar?

Friese: Daran ist in absehbarer Zeit nicht zu denken.

PZ: Von welchen europäischen Systemen könnten die Deutschen in bezug auf Arzneimitteltherapie lernen?

Friese: In manchen Ländern, etwa in Dänemark und den Niederlanden, arbeiten Ärzte und Apotheker enger zusammen.

PZ: Welche Prinzipien sollten die deutschen Apotheker in keinem Fall aufgeben?

Friese: Ein außerordentliches Privileg der Deutschen ist die fachliche Unabhängigkeit des Apothekers gegenüber Ärzten, Industrie und Krankenkassen. Weitere Prinzipien sind das Fremd- und Mehrbesitzverbot und das weitgehende Arzneimittelmonopol für Apotheken.

PZ: In welchen Staaten sehen Sie Entwicklungen, die die Deutschen keinesfalls kopieren sollten?

Friese: Hier sind vor allem Apothekenketten wie in Großbritannien zu nennen. Dort steht das wirtschaftliche Interesse des Kapitaleigners im Vordergrund. Die Versorgungsqualität folgt dort wohl erst an zweiter Stelle. In manchen Staaten, zu denen wiederum Großbritannien gehört, ist der Notdienst nicht flächendeckend gewährleistet. Ich habe mir sagen lassen, dass es selbst in der Weltstadt London außerordentlich schwierig ist, zum Beispiel eine Notdienstapotheke zu finden.

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