Regierungsantwort zum Rx-Versandverbot: Es dauert |

Die große Koalition weiß nicht, ob und wann sie etwas in Sachen Rx-Versandverbot unternehmen wird. Das ist der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke zu entnehmen. Sie hatte wissen wollen, wie der offizielle Zeitplan der Regierung für das im Koalitionsvertrag aufgeführte Versandverbot aussieht, welche Fachleute an der Prüfung beteiligt sind und wie die Regierung die Zukunft der Offizin-Apotheken einschätzt.
Die Antworten der Regierung lassen sich in einem zentralen und wiederholt vorgetragenen Mantra zusammenfassen: «Der Meinungsbildungsprozess ist innerhalb der Bundesregierung noch nicht abgeschlossen.» Zum Zeitplan kann sie nichts sagen, auch nichts dazu, ob sie sich derzeit mit den europarechtlichen Hintergründen beschäftigt. Zwar ist ihr nach eigenen Angaben bekannt, dass der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags ein Rx-Versandverbot laut einem Gutachten für europarechtlich machbar hält. Zur Frage, ob sie der Argumentation der Verfasser folgen kann, schweigt sie aber. Die Regierung räumt jedoch ein, ein entsprechendes Versandverbot könne europarechtlich möglicherweise Erfolg haben, wenn es zum Schutz der Gesundheit und des Lebens von Menschen gerechtfertigt wäre.
Seit einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs 2016 dürfen Versandapotheken im europäischen Ausland Rabatte auf verschreibungspflichtige Medikamente geben. Deutschen Offizin-Apotheken dagegen ist genau das verboten. Wie sich diese Ungleichheit auf die Apotheken hierzulande auswirke, könne man noch nicht sagen, man denke aber darüber nach, so der Tenor der Regierungsantwort. Wann mit einem Ergebnis zu rechnen ist? Diese Frage bleibt offen, denn «Angaben zum Zeitpunkt des Abschlusses des Meinungsbildungsprozesses können derzeit nicht getätigt werden».
Auf die Frage der Linken, welche externen Fachleute und Institute denn mit der rechtlichen Überprüfung des Versandverbots beschäftigt sind, gibt die Bundesregierung allerdings eine klare Antwort: gar keine. Anscheinend klären die Koalitionspartner das Thema unter sich. Die Linke hatte auch gefragt, was die Bundesregierung zur Werbekampagnen von Doc Morris sagt, die Chroniker dazu auffordert, ihre Dauerrezepte – normalerweise lukrative Einnahmequelle für Offizinapotheken – bei der holländischen Versandapotheke einzulösen. Die Bundesregierung erklärte dazu nur, sie werte «Werbemaßnahmen von Marktbeteiligten nicht systematisch aus». (ap)
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25.06.2018 l PZ
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