Phytopharmaka: Forschung bringt Fortschritt |

Pflanzliche Fertigarzneimittel werden fast immer über die Heilpflanze wahrgenommen, die jedoch nur der Rohstoff ist. Der eigentliche Wirkstoff sei der Extrakt, betonte Professor Dr. Theo Dingermann von der Universität Frankfurt am Main. Bei einer Pressekonferenz des «Komitee Forschung Naturmedizin» (KFN) in München warb er für mehr Transparenz im Phytomarkt. Wenn für ein Phytopharmakon extraktspezifische Studien vorliegen, könne man erkennen, ob das Präparat «zuverlässig und nicht etwa zufällig» wirkt.
Der Markt der pflanzlichen Arzneimittel ist extrem heterogen. Derzeit sind mehr als 1400 Phytopharmaka, 130 Kombipräparate aus pflanzlichen und chemischen Wirkstoffen sowie rund 1200 Homöopathika und 1000 Anthroposophika in Deutschland zugelassen oder nachzugelassen. Hinzu kommen 3670 registrierte pflanzliche Produkte. Doch egal ob Zulassungs- oder Registrierungsnummer: Selbst der Fachmann könne daraus nicht ersehen, ob für ein Arzneimittel eigene Studien und Wirksamkeitsnachweise vorliegen, rügte Dingermann.
Hochwertige klinische Studien seien nur sinnvoll, wenn der pharmazeutische Hersteller klar definierte Extrakte oder Spezialextrakte entwickelt hat, betonte der Apotheker. Spezialextrakte, die nach einem strikt einzuhaltenden spezifizierten Prozess hergestellt werden, sind durch einen Produktcode, zum Beispiel EGb761, STW 3-VI oder BNO 1055, eindeutig erkennbar. Nur wenn solche Extrakte in klinischen Studien eingesetzt werden, könne man die erhaltenen Ergebnisse zuverlässig auf künftige Produktchargen übertragen. Um mehr Transparenz in den Markt zu bringen, plant das KFN ein aktualisiertes «Kompendium Phytopharmaka» mit Phytopräparaten, für die publizierte eigene klinische Studien vorliegen. (bmg)
17.04.2015 l PZ
Foto: Fotolia/photocrew