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Periorale Dermatitis: Überpflegte Haut

MEDIZIN

 
Periorale Dermatitis

Überpflegte Haut


Von Nicole Schuster / Die periorale Dermatitis ist eine harmlose, aber belastende Krankheit der Gesichtshaut. Sie entsteht meist durch den übermäßigen Einsatz von Make-up und Hautpflege­mitteln. Arzneistoffe helfen häufig nichts, am effektivsten ist der Verzicht auf übliche Pflegeprodukte.

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Die periorale Dermatitis ist, anders als der Name vermuten lässt, nicht auf den Bereich um den Mund begrenzt. »Die charakteristischen Knötchen und Pusteln dieser chronisch-entzündlichen Hauterkrankung können auch in anderen Gesichtsregionen auftauchen, beispielsweise um die Nase und die Augen«, sagte Professor Dr. Peter Elsner von der Universitätsklinik Jena der Pharmazeutischen Zeitung. Typisch für einen Ausbruch im Mundbereich ist, dass ein schmaler Saum rund um die Lippen ausgespart bleibt.

 

Zu viel des Guten

 




Rote, brennende Haut mit Knötchen und Pusteln mitten im Gesicht ist für Frauen, die sehr auf ihr Äußeres achten, ein Graus. Gerade dann können aber weniger Pflegemittel mehr sein.

Foto: Fotolia/vgstudio


Wegen der Ähnlichkeit zur Gürtelrose sprechen Mediziner mitunter auch von der Mundrose. Die erkrankten Bereiche sind gerötet, brennen, tun weh, jucken gelegentlich und weisen häufig eine geringe Schuppung auf. Selten nässen sie, während die nicht befallenen Flächen unangenehm trocken sind.

 

Unter dem nicht ansteckenden und an sich ungefährlichen Hautproblem leiden überwiegend Frauen im Alter zwischen 16 und 45 Jahren. In Deutschland sind Schätzungen zufolge etwa 6 Prozent der weiblichen und 0,3 Prozent der männlichen Patienten, die einen Dermatologen aufsuchen, betroffen. Selten entwickeln auch Kinder die periorale Dermatitis, wobei sie hier bei Jungen häufiger auftritt als bei Mädchen.

 

Die genauen Ursachen sind unklar. Wahrscheinlich ist es eine Intoleranz-Reaktion der Haut. Die Unverträglichkeit kann sich zum Beispiel gegen Make-up- und Pflegeprodukte richten. Frauen, die sich gerne und viel schminken und häufig zu wechselnden Gesichtscremes greifen, sind besonders gefährdet. Umgangssprachlich heißt die periorale Dermatitis deswegen auch Stewardessen- oder Mannequin-Krankheit.

 

Die eigentlich zur Pflege oder zum Schmuck aufgetragenen Mittel führen dazu, dass die Haut überfeuchtet wird und die Hornschicht quillt. Das wiederum stört ihre natürliche Barrierefunk­tion. Es kommt zu einem erhöhten Feuchtigkeitsverlust und einem unangenehmen Spannungs- und Trockenheitsgefühl. Das erzeugt bei den Betroffenen das Bedürfnis, sich nur noch mehr einzucremen. Die Symptome verschwinden dadurch jedoch nicht, sondern verschlimmern sich. Ein Teufelskreis entsteht, bei dem die ständige Überpflegung die Haut immer mehr schädigt. Im weiteren Verlauf kommt es zu einer Entzündungsreaktion und sekundär häufig auch zu einer bakteriellen oder durch Milben verursachten Infektion.

 

Auslöser ist neben Pflegeprodukten häufig gerade ein Mittel, das viele Pa­tienten zur Therapie einsetzen: »Ein wesentlicher Risikofaktor ist die Verwendung von Cortison-Cremes«, sagt Elsner. Die Haut gewöhne sich an das Arzneimittel. »Glucocorticoide unterdrücken zwar die Entzündung, diese kehrt aber nach Absetzen nur umso ausgeprägter wieder.« Patienten verspüren dann zwar eine kurzzeitige Besserung, langfristig verschlimmern sie ihr Problem aber nur. Der Experte rät, insbesondere starke Cortison-Salben im Gesicht nicht oder nur unter sehr engmaschiger Kontrolle durch den Dermatologen einzusetzen.

 

Abwarten und Tee-Wickel

 

Da bei anderen Hautkrankheiten Gluco­corticoide durchaus angezeigt sein können, ist bei der Diagnose eine klare Abgrenzung zu ähnlichen Leiden wichtig. Die periorale Dermatitis kann zum Beispiel mit einer Kontaktdermatitis, Neurodermitis oder Akne verwechselt werden. Auch mit der Rosazea bestehen gewisse Gemeinsamkeiten. Die periorale Dermatitis werde daher laut Elsner auch als Rosazea-artige Dermatitis bezeichnet. »Ein Zusammenhang ist allerdings unklar.« Ein Unterscheidungsmerkmal beider Hautprobleme bestehe darin, dass die epidermale Barrierefunktion bei Rosazea nicht eingeschränkt ist.




Für Patientinnen mit perioraler Dermatitis heißt es zunächst einmal, auf Make-up gänzlich zu verzichten.

Foto: Fotolia/Africa Studio


Eine rasche Lösung des Problems gibt es nicht. Am effizientesten ist es, die Haut von Pflegeprodukten und topischen Arzneimitteln zu entwöhnen. Für Betroffene ist es meist die größte Herausforderung, auch auf das Make-up zu verzichten – und die Abstinenz wird zunächst noch nicht einmal belohnt. »Patienten müssen sich darauf einstellen, dass sich die Erkrankung zunächst dramatisch verschlimmern kann«, warnt Elsner und rät dann zu einer Behandlung mit Gerbstoffen, etwa Kompressen mit Schwarztee, die sich lindernd auswirken. Nach einigen Tagen komme es ohne Therapie zur allmählichen Rückbildung der Symptome und nach vier bis sechs Wochen sei bei vielen Betroffenen die Entzündung abgeklungen.

 

Für Patienten, die eine Behandlung brauchen oder wünschen, gibt es keinen Goldstandard. Erfahrungen liegen für die äußerliche Behandlung mit Metronidazol, Erythromycin und Azelainsäure vor. Erleichterung kann auch Pimecrolimus verschaffen. Eine systemische Therapie ist nur selten notwendig. »Bei sehr schweren, hartnäckigen Verläufen können innerlich Tetracycline angewandt werden«, sagte Elsner. Auch Isotretinoin könne sich als wirksam erweisen, wobei bei diesem Arzneistoff selbstverständlich das teratogene Potenzial zu beachten ist.

 

Seife, Sonne oder Stress?

 

Ausgiebiges Waschen mit Seifen und oft auch Sonnenlichtexposition können das Hautproblem verstärken. Auch die Hormone könnten eine Rolle spielen: Einige Frauen leiden verstärkt vor der Regel daran. Die Zusammenhänge sind aber meist ebenso unklar wie im Falle eines Einflusses von Magen-Darm-Erkrankungen. Eine mögliche Auslösung der perioralen Dermatitis durch Stress ist laut Elsner ebenfalls nicht gesichert. Trotzdem scheinen einige Patienten auf Entspannungstechniken wie autogenes Training oder Yoga mit einer Verbesserung des Hautbildes zu reagieren.

 

Manchmal helfen auch naturheilkundliche Behandlungen. Wer an sich selbst beobachtet, dass Wärme oder Kälte, vielleicht auch Genussmittel wie Tee, Kaffee, Alkohol oder scharfe Speisen zu einer Verschlechterung führen, sollte diese meiden. Einer aus der Balance geratenen Haut kann zudem ein Luftwechsel gut tun, etwa ein Urlaub im Hochgebirge oder am Meer. Frauen, die die Krankheit als belastendes kosmetisches Problem empfinden, können von den Ratschlägen einer medizinischen Fachkosmetikerin profitieren. /



Beitrag erschienen in Ausgabe 16/2015

 

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