| Melanie Höhn |
| 28.01.2026 17:00 Uhr |
In den ersten drei Quartalen 2025 seien die deutschen Exporte gesamtwirtschaftlich gesehen um 8 Prozent eingebrochen. Generell würden ein Viertel der pharmazeutischen Exporte aus Deutschland in die USA wandern. Auch die Dollarabwertung habe einen Teil dazu beigetragen und sei ein Zeichen dafür, dass das Vertrauen in die USA sinke. Das spiegele sich auch in den Direktinvestitionen: Der Direktinvestitionsfluss für 2025 in Richtung USA sei deutlich eingebrochen.
Die USA seien lange Zeit eine Art »Hort der freien Wissenschaft« gewesen, führte Kirchhoff weiter aus. »Und das mit Erfolg, auch im biomedizinischen Bereich. Der Großteil der Patentanmeldungen der globalen Pharmaindustrie kommt aus den USA.« Das Land sei stärkster Pharmamarkt weltweit, eine »Weltmacht in medizinischer Innovation«, so Kirchhoff. Aus den USA kämen mehr neue chemische und biotechnologische Wirkstoffe auf den Markt als in jeder anderen Region. »In dieses erfolgreiche Innovations-Ökosystem haut Trump massiv rein. Ihre Stärke hacken sie sich gerade kurz und klein. Trump 2.0 rüttelt den gesamten Pharmastandort durcheinander.«
All das zusammen sei schon schlimm, aber viel schlimmer sei die Unsicherheit, die Donald Trump mit seiner Zollpolitik schüre: »Das ist Gift für die Unternehmen und damit auch schlecht für die USA. Es kann dazu führen, dass Markteintritte verzögert oder verhindert werden. Es besteht die Gefahr, dass in Zukunft weniger innovative Therapien entwickelt werden und auf den Markt kommen. Was das für uns bedeutet, kann man noch nicht sagen, weil es darauf ankommt, wie wir darauf reagieren.«
Professor Michael Thiede vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) erklärte, dass der Druck in Richtung Preiserhöhung sich auch auf die Risiken für die Versorgung übertrage. Trotzdem müsse man die Problematik sehr differenziert sehen. »Erstens vor dem Hintergrund des gegenwärtig noch recht gesunden globalen Umfelds für die Arzneimittelindustrie und den tatsächlichen Maßnahmen, die wir jetzt beobachten können und der Vielfalt des Marktes«, sagte er. Man müsse sich fragen, wo genau und welche Bedrohungen einerseits für das System und andererseits aber auch für den Innovationsstandort Deutschland entstehen.
»Wir nehmen das schon sehr ernst und versuchen zu identifizieren: Was sind die fundamentalen Themen, die dahinterliegen?«, gab Matthias Wernicke von Merck Healthcare zu verstehen. Es sei »fundamental richtig«, die Frage nach der richtigen Bepreisung für Innovationen zu stellen. Das zweite Thema sei, zu fragen: Wo wollen wir uns in Europa langfristig positionieren im Hinblick auf andere Großmächte? Gemeinsame Ansätze sind aus seiner Sicht wichtig. Drittens gebe es die Frage nach den unternehmerischen Opportunitäten, die Merck in Hinblick auf die US-Regierung und einen Deal genutzt habe.