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Plastikspielzeug
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Hormonaktive Substanzen gefährden Kinder

Plastikspielzeug kann erhebliche Mengen an Schadstoffen enthalten. Vor allem Kleinkinder sind gefährdet. Worauf Verbraucher beim Spielzeugkauf achten sollen und warum man gebrauchte Plastiksachen nicht weitergeben sollte.
AutorKontaktBrigitte M. Gensthaler
Datum 28.11.2025  17:30 Uhr
Hormonaktive Substanzen gefährden Kinder

Als endokrine Disruptoren (EDC) bezeichnet man Substanzen in Nahrung und Umwelt, die bereits in geringen Konzentrationen verschiedene Hormonsysteme nachhaltig und teils unumkehrbar stören und dadurch die Gesundheit gefährden können. »EDC sind allgegenwärtig in Gegenständen des täglichen Lebens«, warnte Seniorprofessor Dr. Josef Köhrle vom Institut für Experimentelle Endokrinologie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin, bei einer Online-Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie.

Spielzeug, Puppen und Kindergeschirr, Kleidung und Decken, Elektronikartikel, Kosmetika, Haarfärbe- und Pflegemittel: All diese Produkte könnten mit EDC und Schwermetallen belastet sein, warnte der Experte. Kritisch seien vor allem billige Importwaren, die aggressiv im europäischen Markt vertrieben werden, aber häufig nicht den strengeren EU-Richtlinien entsprächen.

Warum sind (Klein-)Kinder besonders gefährdet?

Zu den EDC zählen Bisphenole, Phthalate, fluorhaltige »Ewigkeitschemikalien« (PFAS), Weichmacher, bromhaltige Flammschutzmittel und weitere Substanzklassen. Viele seien in Plastikmaterialien, Gebrauchsgütern, Kinderspielzeug, Kosmetika, aber auch Nahrung, Atemluft und Umwelt enthalten. Hinzu kämen oft Pestizidrückstände und Schwermetalle wie Cadmium und Blei, berichtete der Mediziner.

»Die Barrierefunktion von Haut- und Schleimhäuten ist bei Babys und Kleinkindern noch nicht ausgereift und oft nehmen sie ihr Spielzeug in den Mund oder schlecken es ab«, erklärte Köhrle. »Dadurch kann die EDC-Belastung massiv steigen.« Ohnehin seien Kinder diesen Schadstoffen ab der Geburt über die Haut (Körperpflege) oder Nahrung ausgesetzt.

Die Auswirkungen seien schwer zu lokalisieren und kaum auf eine Substanzklasse einzuengen. Schon eine niedrige Belastung mit EDC und deren komplexen Mischungen könne die Gehirn- und allgemeine Entwicklung oder die Fruchtbarkeit beeinflussen sowie Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel verändern oder die Krebsgefahr erhöhen.

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