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Pharmazeutische Ausbildung 
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Hochschullehrende warnen vor Zusammenbruch des Systems

Apotheke ohne Apotheker, Heilmittel-Claim ohne Apotheker und Stillstand bei der Novellierung der Approbationsordnung: Wenn das Bundesgesundheitsministerium (BMG) den Apothekerberuf weiter herabwürdige, werde das jetzige System in Deutschland zusammenbrechen, warnen die Hochschullehrenden der Pharmazie. Auch die automatische Berufsanerkennung innerhalb der EU, des EWR und der Schweiz stehe auf dem Spiel.
AutorKontaktPZ
Datum 14.08.2024  17:00 Uhr

Die Kritik stammt aus einer aktuellen Stellungnahme der »Konferenz der Fachbereiche Pharmazie« (ehemals »Verband der Professoren an Pharmazeutischen Hochschulen der Bundesrepublik Deutschland«), zu der sich Professorinnen und Professoren zusammengeschlossen haben, die in Deutschland an der Ausbildung zum Apothekerberuf beteiligt sind.

Mit großer Sorge beobachten die Lehrenden, »wie das Ansehen der Ausbildung zum Apotheker für die öffentliche Apotheke in Deutschland immer weiter herabgewürdigt wird.« Dies werde dazu führen, dass immer weniger Schüler Pharmazie studieren möchten und noch mehr Absolventen als jetzt schon der öffentlichen Apotheke den Rücken kehren werden – und das jetzige System schließlich nicht mehr aufrecht erhalten werden kann. Ihre Einschätzung begründen sie insbesondere mit der geplanten Apothekenreform und dem Stillstand bei der Überarbeitung der Approbationsordnung. Auch die neue Formulierung des Heilmittel-Claims kritisieren sie.

Das ApoRG missachtet das anspruchsvolle Studium

Durch das Apothekenreformgesetz (ApoRG) mache sich immer mehr die Auffassung breit, dass in Zukunft Apotheke ohne Apotheker möglich sein wird. »Auch wenn dies momentan nicht so gemeint sein sollte, so bedeutet der Einstieg in die Möglichkeit, eine Apotheke ohne approbierten Apotheker öffnen zu können, für uns einen Weg in die völlig falsche Richtung«, betonen die Lehrenden. »Der Ersatz von Apothekern durch PTA missachtet die hochwertige Ausbildung von Apothekern in Deutschland und gefährdet die Patientensicherheit.«

Der Bedarf an qualifizierter Beratung in der Apotheke – der immer größer werde – sei nicht immer planbar oder über eine Fernberatung abzudecken. Alleine deshalb müsse eine approbierte Fachkraft vor Ort sein. Darüber hinaus minderten Light-Apotheken, wie sie das ApoRG vorsieht, die Attraktivität des Pharmaziestudiums. Denn wer wolle noch Pharmazie studieren, wenn eine Apotheke nicht mehr unbedingt einen Apotheker benötigt?

Dringend gehandelt werden müsse auch bei der Novellierung der Approbationsordnung, die mittlerweile 35 Jahre alt und nicht mehr zeitgemäß ist. Denn in der Zwischenzeit habe es einen enormen Zuwachs an wissenschaftlichen Erkenntnissen gegeben und auch das Berufsbild des Apothekers habe sich stark gewandelt. 

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