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Foetor ex ore
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Hilfe bei Mundgeruch

Die Bandbreite möglicher Ursachen ist groß, wenn nach der Quelle von Mundgeruch gefahndet wird. Sie reicht von kosmetischen bis hin zu ernsten gesundheitlichen Problemen.
AutorKontaktMaria Pues
Datum 31.03.2026  18:00 Uhr

Knoblauch oder Zwiebeln gegessen, Alkohol getrunken, eine Zigarette geraucht? Das riecht man. Das ist normal. Ebenfalls normal ist es, dass man seinen eigenen Mundgeruch nicht riechen kann, das Gegenüber ihn jedoch wahrnimmt.

Wenn Mundgeruch jedoch nicht auf den Verzehr von Speisen und Getränken zurückgeführt werden kann, tauchen Fragen auf: Ist das noch normal? Was verursacht den Geruch? Und vor allem: Wie wird man ihn wieder los? Mit diesen Fragen wendet sich mancher auch an seine Apotheke.

Auch wenn die Begriffe häufig synonym verwendet werden, unterscheidet die Medizin Foetor ex ore (Geruch aus dem Mund) und Halitosis (Geruch in der Ausatemluft, der auch bei geschlossenem Mund wahrnehmbar ist). Letzterer gibt einen ersten Hinweis auf eine extraorale Herkunft. So kann Halitosis ihren Ursprung etwa in den Tonsillen (Mandelsteine), Nasennebenhöhlen, oberen Atemwegen oder im Magen haben.

Welche Verbindungen sich in der Ausatemluft finden lassen, hat der Chemiker und Nobelpreisträger Linus Pauling (1901 bis 1994) mittels Gaschromatografie untersucht. Er fand rund 200 verschiedene flüchtige Verbindungen; inzwischen sind bis zu 3000 identifiziert. Sie machen nur rund 1 Prozent der Ausatemluft aus – für die Geruchsbildung reicht das jedoch offenbar. Gefunden wurden unter anderem Schwefelverbindungen wie H2S und Methanthiol, Stickstoffverbindungen wie Amine, Ketone wie Aceton sowie Carbonsäuren wie Buttersäure.

Mundhygiene und Zahnpflege

In rund 90 Prozent der Fälle von üblen Atemgerüchen handelt es sich um einen Foetor ex ore. Häufigste Ursachen sind eine unzureichende Mundhygiene und eine mangelnde Zahnpflege. In der Folge kommt es zu einer bakteriellen Zersetzung von Speiseresten, bei der flüchtige – oft schwefelhaltige – Verbindungen entstehen. Empfehlungen zu einer sorgfältigen Mundhygiene stehen daher ganz oben auf der Liste: Zweimal tägliches Zähneputzen auch der Zahnzwischenräume und der Zunge mit einem Zungenschaber oder einer Zungenbürste bilden das Reinigungsprogramm.

Kurzzeitig kann eine antimikrobielle Mundspülung, zum Beispiel mit Chlorhexidin (etwa Chlorhexamed® oder CB12®), Hexetidin (etwa Hexoral®) oder Octenidin (etwa Octenident® antiseptic) sinnvoll sein. Ratsam ist außerdem eine Kontrolle durch den Zahnarzt. Dieser kann auf weitere häufige Ursachen prüfen und diese gegebenenfalls beheben: Entzündungen im Mundraum, der Zahnfleischtaschen oder Karies. Diese gehen oft mit einer Geruchsbildung einher. Eine weitere häufige Quelle findet sich im Hals-Nasen-Ohren-(HNO-)Raum, hier ebenfalls Entzündungen und Infekte, sodass bei entsprechendem Verdacht ein Facharztbesuch ratsam ist.

Medikamente und Grunderkrankungen

Auch ein Blick auf die Dauermedikation sollte nicht fehlen, denn verschiedene Therapien kommen ebenfalls als mögliche Ursachen infrage. Dazu gehört die große Gruppe der Arzneistoffe mit anticholinergen Wirkungen und/oder Nebenwirkungen. Sie begünstigen Mundtrockenheit, die – insbesondere bei älteren Menschen – durch zu geringe Trinkmengen zusätzlich verstärkt werden kann. Damit vermindert sich der wichtige Spüleffekt durch den Speichel, der maßgeblich zur Reinigung des Mundraumes beiträgt.

Über einen anderen Mechanismus können topische Corticosteroide Mundgeruch begünstigen: Wird nach der Anwendung der Mundraum nicht sorgfältig gereinigt, kann dies die Besiedelung mit Pilzen wie Candida albicans begünstigen. Nach erfolgreicher Behandlung der Pilzerkrankung geht auch der damit verbundene Mundgeruch zurück.

Grunderkrankungen wie ein Diabetes mellitus, eine Lebererkrankung oder eine Erkrankung des Magens, aber auch eine ketogene Ernährung können mit Halitosis einhergehen, da hierbei als Geruch wahrnehmbare Verbindungen – beispielsweise Ketonkörper – entstehen. Bei einem entsprechenden Verdacht ist zu einem baldigen Arztbesuch zu raten, um die Ursache abklären und behandeln zu lassen.

Und auch das gibt es: die Überzeugung oder die Angst, an Mundgeruch zu leiden, ohne dass dieser tatsächlich vorhanden ist. Betroffene nehmen den Geruch – im Gegensatz zu den meisten Menschen mit Halitosis und im Gegensatz zu Menschen in ihrem Umfeld – selbst wahr. Man spricht im ersten Fall von Pseudohalitosis, im zweiten von Halitophobie.

Anders als die Bezeichnung vermuten lässt, ordnet das ICD-11 die Halitophobie nicht mehr den Angst-, sondern den Zwangsstörungen zu. Betroffene leiden häufig sehr; sie entwickeln ein ausgeprägtes Schamgefühl, vermeiden Nähe und ziehen sich zurück. Eine Messung des Mundgeruchs mittels Halimeter, bei der auf schwefelhaltige Verbindungen geprüft wird, kann Patienten mit Pseudohalitosis beruhigen. Bei Betroffenen mit Halitophobie gelingt dies in der Regel nicht. Hier sind meist psychotherapeutische Verfahren angezeigt.

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