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Tularämie
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Hasenpest ist auch auf Menschen übertragbar

Die Tularämie wird vom Bakterium Francisella tularensis übertragen. Fälle beim Menschen sind selten, sie nehmen aber zu – vermutlich bedingt durch den Klimawandel. Ein Überblick über eine eher unbekannte Zoonose und einen Erreger, der wohl auch als potenzielle Biowaffe fungieren könnte.
AutorKontaktSven Siebenand
Datum 05.09.2024  07:00 Uhr

Bislang kein Impfstoff in Deutschland zugelassen

Ein zugelassener Impfstoff gegen Tularämie steht in Deutschland nicht zur Verfügung. Im Fachjournal »Current Microbiology« veröffentlichten Forschende kürzlich einen Überblick über die Impfstoffentwicklung. Diesem ist zu entnehmen, dass es zwar verschiedene Ansätze für Vakzinen gibt – von attenuierten Lebendimpfstoffen über Subunit-Impfstoffe bis hin zu mRNA-Vakzinen. Weit vorangeschritten in der Entwicklung sind sie aber alle noch nicht.

Als ein Manko in der Impfstoffentwicklung nennen die Forschenden das Problem, geeignete Tiermodelle für die Testung zu finden. In der Impfstoffforschung werden häufig Mäuse verwendet, gerade diese sind aber anfälliger für eine Infektion mit F. tularensis als Menschen. Der bei Mäusen induzierte Schutz unterscheidet sich zudem von dem beim Menschen.

Was lässt sich sonst zum Thema Prävention sagen? Bei Kontakt mit infizierten Tieren sollten Handschuhe und falls möglich eine FFP3- oder FFP2-Atemmaske getragen werden, um sich vor einer Infektion zu schützen. Fleisch von Wildtieren sollte nur gut durchgegart verzehrt werden. Zu beachten ist, dass gefrorenes kontaminiertes Fleisch monatelang infektiös bleibt.

Postexpositionsprophylaxe: Ja oder Nein?

Der Ständige Arbeitskreis der Kompetenz- und Behandlungszentren für Krankheiten durch hochpathogene Erreger am RKI äußert sich in seinen Therapiehinweisen auch zu Möglichkeiten der Postexpositionsprophylaxe. Indikationen für eine solche (bei Erwachsenen mit Ciprofloxacin oder Doxycyclin, bei Kindern mit Ciprofloxacin) können laut der Expertengruppe in der frühen Inkubationszeit zum Beispiel Exposition von Laborpersonal, Anwesenheit bei Autopsien oder Erregerkontakt über nicht intakte Haut, Schleimhaut oder infektiöse Aerosole darstellen. Später in der Inkubationszeit oder bei niedrigem Risikokontakt sei aus klinischer Sicht in der Regel ein Monitoring klinischer Symptome ausreichend.

Aufgrund seiner hohen Infektiosität und Stabilität in der Umwelt gilt der Erreger der Tularämie auch als potenzielle Biowaffe. 10 bis 50 Bakterien seien ausreichend, um durch Inhalation oder intrakutane Applikation eine Erkrankung auszulösen, schreibt das RKI. Sollte im Fall eines bioterroristischen Angriffs mit F. tularensis eine Postexpositionsprophylaxe angezeigt sein, so sind Ciprofloxacin und Doxycyclin dafür am besten geeignet, empfiehlt der genannte Arbeitskreis.

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