| Cornelia Dölger |
| 29.09.2026 12:05 Uhr |
Arzneimittel nicht über den Großhandel, sondern direkt vom Hersteller zu beziehen, hat laut einer Apokix-Umfrage Konjunktur – auch weil viele Präparate nur noch direkt beziehbar sind. Der Großhandel verweist vor diesem Hintergrund auf seinen Versorgungsauftrag. / © NOWEDA
Laut der aktuellen Apokix-Umfrage beziehen 99 Prozent der befragten Apothekeninhaberinnen und Apothekeninhaber Arzneimittel nicht nur über den Großhandel, sondern auch direkt von Herstellern oder über Plattformen wie Pharma Mall. Sowohl rezeptfreie als auch verschreibungspflichtige Arzneimittel werden demnach regelmäßig auf diesem Weg beschafft. Vergleichsweise selten würden besonders aufwendige Produktgruppen wie Zytostatika, Impfstoffe und Betäubungsmittel direkt bezogen.
Auch wenn das Direktgeschäft wächst – die Umfrage ergab gleichzeitig, dass der Großhandel für die meisten Befragten der bevorzugte Bezugskanal bleibt. So geben 91 Prozent der Befragten an, Arzneimittel grundsätzlich lieber ausschließlich über den pharmazeutischen Großhandel bestellen zu wollen. Weil aber immer mehr Präparate nur noch direkt über Hersteller erhältlich seien, müsse man auf diesen Weg ausweichen.
Der Großhandelsverband Phagro sieht in dem Dilemma die Politik am Zug. Denn der vollversorgende Großhandel habe einen gesetzlichen Sicherstellungsauftrag zu erfüllen – wofür es einen durchsetzbaren Belieferungsanspruch brauche, so die Phagro-Geschäftsführer Thomas Porstner und Michael Dammann in einer Mitteilung. Nur damit könne der Großhandel Apotheken weiterhin flächendeckend, kurzfristig und zuverlässig mit Arzneimitteln versorgen. »Hier ist die Politik gefordert.«
Die Umfrage habe gezeigt, dass »nahezu alle Befragten« den Großhandel für unerlässlich hielten, um die Arzneimittelversorgung sicherzustellen. Der Direktbezug sei »für die Apotheken der Bezugsweg zweiter Wahl«.
Tatsächlich schneidet der Großhandel in der Umfrage in vielen Punkten besser ab als der Direktbezug. 92 Prozent der Befragten sehen den Großhandel als unverzichtbar für den Betrieb ihrer Apotheke an, 95 Prozent für die Sicherstellung der Versorgungssicherheit.
Auch aufgefächert nach einzelnen Leistungsmerkmalen kommt der Direktbezug schlechter weg. So punktet der Großhandel durch geringeren Handlings- und Bestellaufwand, die größere Bestell- und Lieferflexibilität sowie die höhere Liefergeschwindigkeit. Bei Lieferfähigkeit sowie bei der Transparenz der Rechnungen bekommt der Direktbezug hingegen mehr Zustimmung.