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200 Jahre Klosterfrau
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Global aktiv – vom Geist inspiriert

Die Geschichte beginnt nicht im Labor. Sie beginnt mit einer Nonne im Kloster: Blickt man auf die 200-jährige Geschichte von Klosterfrau zurück, führt kein Weg an Maria Clementine Martin vorbei.
AutorKontaktHanke Huber
Datum 20.04.2026  18:00 Uhr

Ihr Lebensweg ist ungewöhnlich: Maria Clementine Martin kam 1775 in Brüssel als Wilhelmine Martin zur Welt. Bereits mit 17 Jahren tritt sie in ein Kloster ein, erhält den geistlichen Namen Maria Clementine und widmet sich fortan der Krankenpflege. Bei den Nonnen kommt sie erstmals intensiv mit der Klosterapotheke und den Heilkräften der Natur in Berührung – Erfahrungen, die ihr weiteres Leben prägen sollten. Die Wirkung pflanzlicher Rezepturen muss sie fasziniert haben, insbesondere das Karmeliterwasser, ein Melissenwasser. Noch hat sie aber andere Probleme.

Die Säkularisierung zwingt Maria Clementine dazu, das Kloster zu verlassen und sich selbst zu versorgen. Als Krankenpflegerin auf Wanderschaft baut sie ihr Wissen aus. Ein entscheidender Moment folgt 1815: Während der Schlacht von Waterloo kümmert sie sich um verwundete Soldaten. Als Dank erhält sie vom König Friedrich Wilhelm III. eine Leibrente, welche die Grundlage für ihre spätere unternehmerische Unabhängigkeit bildet.

Im Jahr 1825 zieht Maria Clementine nach Köln und 1826 gründet sie am Fuße des Doms den Herstellungsbetrieb »Maria Clementine Martin Klosterfrau«. Ihr Melissenwasser findet schnell Anklang. Ein bis heute sichtbares Zeichen ihres unternehmerischen Geschicks und der frühen Erfolgsgeschichte ist das preußische Wappen auf den Etiketten. Der preußische König erlaubte ihr 1829, das Symbol zu verwenden, 1831 sicherte sie es sich als unverwechselbares Markenzeichen – ein Element, das bis heute jede Flasche ziert.

Vom Ein-Frau-Betrieb zum Multikonzern

Was 1826 begann, hat sich über zwei Jahrhunderte hinweg zu einer internationalen Unternehmensgruppe mit mehr als 1500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und vielen nationalen und internationalen Standorten entwickelt. Die Klosterfrau Group feiert 2026 ihr 200-jähriges Bestehen und blickt damit auf eine Geschichte zurück, die von Tradition, Innovation und unternehmerischem Mut geprägt ist.

Ein zentrales Symbol der Unternehmensphilosophie ist bis heute der Klosterfrau Melissengeist, dessen Originalrezeptur auf 13 Heilpflanzen basiert. Es ist aber nur eines der Produkte, die bei Klosterfrau auf bewährten pflanzlichen Grundlagen beruhen. Moderne Wissenschaft und traditionelles Heilwissen versteht das Unternehmen dabei nicht als Gegensätze, sondern als sich ergänzende Elemente. Ein Konzept, das es im Laufe der Zeit zu einem etablierten Anbieter im Bereich der Selbstmedikation gemacht hat.

Dabei achtet das Unternehmen nach eigenen Angaben auf eine dokumentierte Herkunft der Rohstoffe und definierte Qualitätsstandards, teilweise sind sie sogar exklusiv für das Unternehmen produziert. Die Kombination aus hochwertigen Ausgangsstoffen, moderner Forschung und strengen Produktionsstandards beschreibt der Konzern als Grundlage für seine Arzneimittel.

Vier unter einem Dach

Mittlerweile gibt es vier Geschäftsbereiche: Consumer Healthcare, Medical, Contract Manufacturing und Cosmetics. »Unsere Mission bleibt, Menschen mit hochwertigen Produkten und nachhaltigen Lösungen zu unterstützen – heute und für die kommenden Generationen«, sagt Dr. Stefan Koch, CEO Klosterfrau Group.

Im Bereich Consumer Healthcare entwickelt Klosterfrau Produkte für die Selbstmedikation und ergänzt mit Blick auf aktuelle Forschung kontinuierlich sein Sortiment. In diesen Bereich fallen neben dem Melissengeist zum Beispiel auch taxofit®, neo-angin® oder nasic®.

Zum Medical-Bereich gehört Farco-Pharma. Es gilt als internationaler Marktführer in der Urologie, der eng mit medizinischen Fachkreisen zusammenarbeitet und gezielt Lösungen für Patientinnen und Patienten entwickelt.

Im Contract Manufacturing sind Leistungen in der Auftragsentwicklung und -fertigung gebündelt. Mit spezialisierten Standorten in Lüchow und Berlin sowie der Tochtergesellschaft Artesan Pharma bietet Klosterfrau Leistungen, die von der Produktentwicklung bis zur Herstellung reichen.

Der Berliner Standort, steht für die Weiterentwicklung des Unternehmens. Dort laufen seit 1971 unter anderem Liquida, Lutschtabletten und sterile Einwegspritzen vom Band. Der Konzern hat den Standort in den vergangenen Jahren ausgebaut und modernisiert. In Lüchow liegt der Fokus auf Tabletten, Kapseln und Dragees.

Teil des Portfolios ist außerdem der Kosmetikbereich mit der Marke Maria Galland Paris, die mit einem ganzheitlichen Pflegeansatz wirbt.

Spirit der Gründerin bleibt

Über alle Bereiche hinweg orientiert sich das Unternehmen – heute wie damals – an Werten wie Verantwortung, Miteinander, Zukunftsorientierung und dem Anspruch, Mehrwert zu schaffen. Diese Philosophie geht nach Unternehmensangaben auf das Erbe der Gründerin zurück.

Gesundheit versteht die Klosterfrau Group als Zusammenspiel von Natur, Wissenschaft und individuellen Bedürfnissen und hat sich zum Ziel gesetzt, eine führende Rolle in Europa im Bereich Gesundheit und Wohlbefinden einzunehmen.

Auch die Mitarbeiterbindung ist hoch, wie das Unternehmen betont. Im Durchschnitt bleiben Beschäftigte demnach rund zehn Jahre, 267 Personen arbeiten dort sogar länger als zwei Jahrzehnte. Am Hauptsitz in Köln habe zudem etwa jeder fünfte Mitarbeitende seine Laufbahn mit einer Ausbildung bei Klosterfrau begonnen.

Tradition verpflichtet

Im Jubiläumsjahr 2026 blickt Klosterfrau nicht nur in die Vergangenheit zurück, sondern richtet den Blick auch bewusst nach vorn. Der »Klosterfrau-Spirit« soll auch in Zukunft Orientierung geben: Tradition bewahren und Innovationen schaffen, um Menschen auf natürliche Weise zu unterstützen.

»Unsere Tradition ist ein Vorteil. Aber sie verpflichtet uns auch, die Organisation konsequent weiterzuentwickeln«, sagt Koch. So sollen bis 2027 mehr als 60 Millionen Euro in den Ausbau moderner Produktionskapazitäten in Berlin fließen. Ziel ist es, langfristig Arbeitsplätze zu sichern und zugleich nachhaltiges Wachstum zu ermöglichen. Der Fokus liegt auch auf Ressourcenschonung. Neue Anlagen sollen laut Unternehmen effizienter arbeiten und Energie zurückgewinnen.

Jubiläumsfeier in Köln

Trotz seiner internationalen Aktivitäten bleiben die Wurzeln am Rhein zentraler Bestandteil der Unternehmensidentität. Seinen 200. Geburtstag feiert Klosterfrau deshalb im Mai 2026 mit einer großen Veranstaltung in Köln.

Ein Highlight ist die Premiere des Maria Clementine Martin-Awards. Ein Preis, der künftig regelmäßig herausragende Innovationen im Gesundheitsbereich würdigen soll. Für seine Kundinnen und Kunden veranstaltet Klosterfrau eine Verlosung im Gesamtwert von 100.000 Euro.

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