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Digitale Verordnungen
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Gematik bestreitet Datenleck im E-Rezept-System

Ab 2022 werden alle Arzneimittel-Verordnungen in Deutschland digital abgewickelt. Die vom Bundesgesundheitsministerium kontrollierte Gematik erarbeitet dazu ein E-Rezept-System. Der Deutsche Apothekerverband beschwert sich nun darüber, dass rein theoretisch kritische Datenzugriffe auf die Verordnungen möglich wären. Die Gematik weist dies von sich.
AutorKontaktBenjamin Rohrer
Datum 26.10.2020  15:00 Uhr
Gematik: Sicherheit auch ohne Ende-zu-Ende-Verschlüsselung

Gematik: Sicherheit auch ohne Ende-zu-Ende-Verschlüsselung

Die PZ hat bei der Gematik dazu nachgefragt. Die Sprecherin bestreitet nicht, dass man nicht auf eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung setze. Denn: »Die gesetzlichen Vorgaben fordern keine bestimmte Technologie.« Allerdings sei das von der Gematik entwickelte System »ebenfalls zu jeder Zeit verschlüsselt«. Wörtlich erklärt die Sprecherin: »Es ist während der Übertragung, Verarbeitung und Speicherung zu jeder Zeit vor unbefugtem Zugriff geschützt. Auch der Betreiber des E-Rezept-Dienstes oder die Gematik sind technisch vom Zugriff ausgeschlossen.«

Zur Erklärung: Die vom BMG kontrollierte Gesellschaft hat die Konstruktion und den Betrieb des E-Rezept-Fachdienstes ausgeschrieben und sucht derzeit nach passenden Bewerbern, die den E-Rezept-Server bauen können. Folgt man der Gematik-Sprecherin, können also weder die Gematik selbst noch der künftige Betreiber auf die Verordnungen zugreifen.

Die Gematik-Sprecherin erläutert weiter, dass die Datensicherheit neben der eingesetzten Verschlüsselungstechnologie durch die »Vertrauenswürdige Ausführungsumgebung« erreicht, die auch der DAV-Experte Friedrich beschrieben hatte. Im Gegensatz zu Friedrich bezeichnet die Gematik selbst die Ausführungsumgebung aber als »eine spezielle sichere Enklave, in der Verarbeitungsvorgänge selbst vor Zugriffen der Administratoren der Server verborgen bleiben«. Die Gesellschaft erinnerte gegenüber der PZ nochmals daran, dass inzwischen auch der Sourcecode des E-Rezepts im Internet veröffentlicht worden sei, so dass sich Daten- und Sicherheitsexperten die Konstruktion anschauen können.

Warum keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung?

Natürlich stellt sich allerdings die Frage: Warum hat die Gematik dann nicht die von den Apothekern präferierte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gewählt und eine andere Verschlüsselung gebaut? Will man sich einen Zugriff auf die Daten zu einem späteren Zeitpunkt offen halten? Die Sprecherin dazu: »Der E-Rezept Server soll z. B. in der Lage sein, technische Fehler im Rezept gleich bei der Speicherung zu erkennen und Arbeitsabläufe direkt zu unterstützen. Ebenso hat die gematik eine Lösung gewählt, die eine spätere Einlösung des Rezeptes im europäischen Ausland ermöglichen kann. Dennoch haben weder die gematik noch irgendjemand anderes Einblick in die Verarbeitungsvorgänge.«

Auch bei der Expopharm Impuls war das E-Rezept ein viel diskutiertes Thema. Gematik-Geschäftsführer Dr. Markus Leyck-Dieken äußerte sich beispielsweise zu den künftigen Plänen. Und die beiden Gematik-Fachexperten Hannes Neumann und Sabine von Schlippenbach gaben erste Einblicke in die E-Rezept-Anwendungen. Hier die Videos dazu:

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