| Theo Dingermann |
| 28.08.2020 10:00 Uhr |
Während männliche Patienten auf eine SARS-CoV-2-Infektion mit einer schlechteren T-Zell-Antwort reagieren, lassen sich bei ihnen höhere Konzentrationen an Immunzytokinen und Chemokinen, darunter vor allem IL-8 und IL-18, zusammen mit einer robusteren Induktion nicht-klassischer Monozyten nachweisen. Diese Signalmoleküle des unspezifischen Immunsystems sind entscheidend an dem wichtigen »Crosstalk« zwischen den einzelnen Immunkomponenten beteiligt. Sie triggern die Rekrutierung von Immunzellen in die Umgebung von Entzündungsherden, wo sie dann die ganze Kraft des Immunsystems bündeln.
Wenn bei weiblichen Patienten höhere Konzentrationen der angeborener Immunzytokine gemessen wurden, war dies mit einem schlechteren Krankheitsverlauf verbunden. Bei Männern viel eine solche Korrelation hingegen nicht auf.
Die Studie könnte von großer klinischer Relevanz sein. Denn die Ergebnisse deuten ganz klar Optionen für eine geschlechterspezifischere Therapie der Erkrankung an. So legen die Studienergebnisse nahe, dass männliche Patienten stärker von einer Impfung und einer Therapie profitieren könnten, die darauf abzielt, die T-Zell-Reaktionen zu erhöhen. Bei weiblichen Patienten sollte ein verstärktes Augenmerk darauf liegen, eine zu starke Antwort des frühen angeborenen Immunsystems zu verhindern.
Allerdings warnen die Autoren auch vor Limitationen ihrer Studie. So wäre es zu einfach, Behandlungsschemata ausschließlich auf das Geschlecht der Patienten zu reduzieren.