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Kopfschmerzen
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Frauen leiden häufiger und stärker an Migräne

Mehr als zwei Drittel der Migränepatienten in Deutschland sind weiblich. Frauen leiden nicht nur häufiger an Migräne, sondern auch stärker an den psychosozialen Folgen. Beim Deutschen Schmerzkongress beleuchteten Ärzte und Psychologen geschlechtsspezifische Unterschiede und die Rolle des Sexualhormons Estrogen am Krankheitsgeschehen sowie die sozialen und psychischen Auswirkungen der Erkrankung.
AutorKontaktLaura Rudolph
Datum 26.10.2022  09:00 Uhr

Die Estrogen-Entzugshypothese

Die kumulative Lebenszeitprävalenz für Migräne liege bei Frauen bei 32 bis 43 Prozent, bei Männern bei 18 bis 22 Prozent, erklärte die Medizinerin. Insbesondere im reproduktiven Alter seien große Prävalenzunterschiede sichtbar, während sich die Prävalenzkurven der weiblichen und männlichen Betroffenen davor und danach wieder aneinander anglichen. Grund hierfür seien schwankende oder sehr niedrige Estrogenspiegel bei Frauen, wie sie während der Menarche, Menstruation und Menopause vermehrt vorkommen. In der Schwangerschaft und in der Postmenopause nehmen die Migräneattacken dagegen ab.

Das Phänomen wird als Estrogen-Entzugshypothese bezeichnet. Wie Estrogen und Migräne im Detail zusammenhängen, sei jedoch sehr komplex und weitestgehend noch unverstanden, betonte Fitzek.

Die aktuellsten Erkenntnisse brach die Medizinerin auf ihre Kernpunkte herunter: Estrogen moduliert Serotonin- und Dopamin-Neurotransmittersysteme. Fällt die Konzentration des weiblichen Sexualhormons ab, aktiviert dies den Signalweg, der dem Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) nachgelagert und maßgeblich an der Entstehung von Migräneattacken beteiligt ist.

Stigmatisierung und psychische Begleiterkrankungen

Die Kopfschmerzerkrankung ist trotzdem keine Frauensache. Die Stigmatisierung durch Nicht-Migräne-Betroffene kann Migränepatienten jeden Geschlechts gleichermaßen treffen. Das zeigt etwas eine Übersichtsarbeit aus den USA (»Current Pain and Headache Reports« 2021, DOI: 10.1007/s11916-021-00982-z), in der Aussagen von Nicht-Migräne-Betroffenen über Betroffene ausgewertet wurden – mit ernüchternden Ergebnissen.

Demnach sind Migränepatienten häufig mit Vorurteilen über ihre Erkrankung und ihren Umgang damit konfrontiert. Knapp ein Drittel (31 Prozent) der 9999 befragten Personen ohne Migräne gab an, dass Migränepatientinnen und -patienten ihrer Meinung nach die Krankheit als Ausrede nutzten, um nicht zur Schule oder zur Arbeit gehen zu müssen. 45 Prozent waren zudem der Meinung, Migräne sei einfach zu behandeln, und 36 Prozent glaubten, dass die Erkrankung auf ungesunder Lebensführung basiere.

In Anbetracht der Verkettung der körperlichen Symptome mit den psychosozialen Folgen ist es wenig verwunderlich, dass Migränepatientinnen und -patienten häufig unter psychischen Komorbiditäten wie Depressionen (Odds ratio 2,2 bis 4,0), generalisierten Angststörungen (OR 4,1 bis 5,5) oder Panikstörungen (OR 3,0 bis 10,4) leiden. »Eine Panikstörung trifft insbesondere Migränebetroffene mit Aura, was die große Breite der Odds Ratio erklärt«, erläuterte Guth. Die Symptome einer Aura wie Sprachlähmungen oder Sehstörungen könnten in Betroffenen etwa die Angst vor einem Herzinfarkt schüren, da dieser ähnliche Beschwerden verursachen könne.

Um psychischen Erkrankungen vorzubeugen, den Leidensdruck für die Betroffenen zu mindern und die Lebensqualität zu erhöhen, ist es wichtig, eine Migräne adäquat zu behandeln. Neben einer medikamentösen Therapie, beispielsweise mit Triptanen oder Antikörpern, können auch Gesundheits-Apps Betroffene unterstützen. 

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