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Neue Daten
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Fluoxetin bei Covid-19 quasi wirkungslos

Für das Antidepressivum Fluoxetin wurde in der Coronapandemie zwischenzeitlich experimentell eine Wirkung gegen SARS-CoV-2 nachgewiesen. Eine klinische Studie hat aber nun gezeigt: In vivo ist die Wirksamkeit nur äußerst schwach.
AutorKontaktAnnette Rößler
Datum 22.01.2025  10:00 Uhr

Knapp zwei Jahre nach dem offiziellen Ende des internationalen Gesundheitsnotstands aufgrund von Covid-19 laufen die wissenschaftlichen »Aufräumarbeiten« weiter. Nach und nach werden auch jetzt immer noch Studienergebnisse publiziert, die in der Pandemie getroffene Fehleinschätzungen geraderücken. Erst kürzlich wurde zudem eine umstrittene Studie zurückgezogen, die eine angebliche Wirksamkeit des Antiprotozoikums Hydroxychloroquin belegt haben sollte – viereinhalb Jahre nach ihrem Erscheinen.

Ebenso wenig gegen Covid-19 wirksam wie Hydroxychloroquin ist offenbar der selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) Fluoxetin. In-vitro-Daten aus dem ersten Pandemiejahr hatten eine Wirksamkeit bei SARS-CoV-2-Infektion nahegelegt. Die Überprüfung in einer klinischen Studie zeigte dann aber, dass dieser experimentelle Befund sich bei einer klinischen Anwendung von Fluoxetin nicht in einer nennenswerten Wirkung niederschlägt. Die Daten sind aktuell im Fachjournal »E Clinical Medicine« erschienen.

Fluoxetin wurde zusammen mit mehreren anderen Behandlungsoptionen in der offenen, randomisierten Phase-II-Studie PLATCOV in Brasilien, Laos, Pakistan und Thailand getestet. Die Studie wird weiter fortgesetzt und laufend angepasst, sodass auch neu identifizierte potenzielle Wirkstoffe mit aufgenommen werden können.

Bei den Teilnehmenden, die zwischen April 2022 und Mai 2023 mit Fluoxetin behandelt wurden, handelte es sich um 120 Personen im Alter zwischen 18 und 50 Jahren mit leichter Covid-19-Symptomatik und einer Krankheitsdauer von weniger als vier Tagen. Sie wurden mit 151 Covid-19-Patienten mit ebendiesen Eigenschaften verglichen, die unbehandelt blieben. Alle Teilnehmenden waren mindestens einmal geimpft. Fluoxetin wurde mit 40 mg täglich für sieben Tage gegeben.

Die primäre Analyse zeigte eine marginale Erhöhung der viralen Clearance um 15 Prozent im Fluoxetin-Arm. Die Zeit bis zum Abklingen der Symptome unterschied sich jedoch in den beiden Gruppen nicht. Das Autorenteam um Assistenzprofessorin Dr. Podjanee Jittamala von der Mahidol University in Bangkok, Thailand, schlussfolgert daher, dass die antivirale Wirkung von Fluoxetin gegen SARS-CoV-2 in vivo lediglich schwach ausgeprägt bis nicht vorhanden sei.

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