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Apothekenproteste in München
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»Fixum anpassen jetzt!«

Heute gehen die Apothekenteams auf die Straße: Damit die im Koalitionsvertrag verankerte Honoraranpassung endlich umgesetzt wird, machen die Teams mit Kundgebungen und Apothekenschließungen Druck. In München fordert Hans-Peter Hubmann, Vorsitzender des Bayerischen Apothekerverbands (BAV), die sofortige Honorarerhöhung.
AutorKontaktCornelia Dölger
AutorKontaktBrigitte M. Gensthaler
Datum 23.03.2026  12:58 Uhr

»Wow«, so Hubmann, der auch Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbands (DAV) ist, angesichts der Menge auf dem Odeonsplatz. Der Platz in der Münchner Innenstadt ist derzeit mit 3500 Teilnehmenden komplett voll. Das Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) beinhalte, anders als die Lauterbach-Reform, auch gute Aspekte, so Hubmann.

Mehr Kompetenzen für Apotheken seien auch dringend nötig. Dazu brauche es aber eine ordentliche freiberufliche  Struktur, so Hubmann. »Fixum anpasssen, jetzt!«, rief er immer wieder in die Menge aus weißen Kitteln. Hubmann skizzierte das Apothekensterben, Ende 2025 seien es nur noch 16.601 gewesen, 5000 weniger als zum Höchststand der 2000er-Jahre. Mehr als 20 Prozent seien vom Markt verschwunden.

Eine chronische Unterfinanzierug sei die Ursache. Beim Fixum habe sich seit 2013 nichts mehr bewegt. Gleichzeitig seien die Kosten explodiert. Das Auseinanderklaffen sei nicht mehr zu schultern. »Klare Forderung: Fixum anpassen – jetzt!«, so Hubmann, worauf es tosenden Applaus gab. 

In Berlin sei die Problematik erkannt worden – aber an der Umsetzung hapere es. Der Finanzierungsvorbehalt bei allen Projekten im Koalitionsvertrag trug bekanntlich dazu bei, dass die Erhöhung »auf Wiedervorlage« liegt – seltsamerweise gab es aber eine Erhöhung für das Ärztehonorar. Dies sei ihnen gegönnt, so Hubmann. Dann gelte aber das Argument nicht, dass kein Geld da sei.

Keine Spaltung

Die Anhebung soll kommen, das habe die Bundesregierung versprochen, die SPD schwäche es immer wieder ab, hinzu komme die allgegenwärtige Kritik am »Gießkannenprinzip« und Versuche, die Heilberufe gegeneinander auszuspielen. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) müsse der Rücken gestärkt werden – noch liege die angekündigte Anpassung nicht verbindlich vor, für die Warken sich einsetzt. Das AoVWG soll zeitgleich mit der Verordnung Mitte April beschlossen werden.

Die Kassen, die gegen »Miliardengeschenke« an die Apotheken wetterten, sollten sich an die eigene Nase fassen. Erst kürzlich seien die Vorstandsgehälter erhöht worden, die Verwaltungskosten seien auf  14 Milliarden Euro gestiegen. Für Apotheken müssten die Kassen lediglich 1,8 Prozent ihrer Ausgaben aufwenden – »damit sind wir nicht der Kostentreiber«, so Hubmann. »Uns gibt es nicht zum Nulltarif«, die Anpassung sei überfällig, gerade auch für die Teams, die eine bessere Bezahlung verdient hätten.

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