Kleinere Wunden lassen sich im Rahmen der Selbstmedikation gut versorgen. / © Getty Images/zpm8PhZH
Kleine Wunden sind im Alltag schnell passiert: ein Schnitt mit dem Küchenmesser (Schnittwunde), ein Sturz beim Radeln oder Wandern (Schürfwunden) oder ein Kontakt mit dem heißen Grill oder Teewasser (Verbrennung oder Verbrühung). Idealerweise befindet sich in der Hausapotheke dann Material für eine rasche Versorgung der Wunde: Desinfektionsmittel und Verbandmaterial. Je nach Art der Wunde können hier unterschiedliche Anforderungen eine Rolle spielen.
Leicht zu versorgen sind in der Regel Schnittwunden. Die Wundfläche ist meist klein, die Wundränder glatt, und eine Blutung hat für eine erste Reinigung der Wunde gesorgt. Sicherheitshalber sollte die Wunde trotzdem gereinigt (Ausspülen unter fließendem Wasser) und desinfiziert werden. Hierzu eignen sich Octenidin und Phenoxyethanol (etwa Octenisept®). Auch Povidon-Iod (etwa Betaisodona®) kann bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ab einem Jahr verwendet werden. Nicht geeignet ist es jedoch unter anderem für Patienten mit Schilddrüsenerkrankungen. Zu beachten ist außerdem, dass Iod-haltige Zubereitungen gefärbt sind. Um Blut und Wundsekret aufzunehmen, eignen sich einfache Wundschnellverbände wie Hansaplast® oder Gothaplast®. Sie halten außerdem Schmutz von der Wunde fern und polstern sie ab, wodurch sie weniger berührungsempfindlich reagiert.
Mehr Aufmerksamkeit erfordern Schürfwunden, auch wenn nur oberflächliche Hautbereiche betroffen sind. Häufig nässen sie und man erkennt kleine punktförmige Blutungen in die Wundfläche hinein. Aufgrund der größeren Wundfläche sind sie stärker infektionsgefährdet als Schnittwunden. Durch die freiliegenden Nervenendigungen sind sie zudem meist sehr berührungsempfindlich. Da ihre Wundränder nicht glatt sind, ist bei ihrer Entstehung neben Schmutz aus der Umgebung häufig auch Zellmaterial in die Wunde gelangt. Daher ist eine sorgfältige Reinigung der Wunde besonders wichtig. Diese kann wie bei Schnittwunden unter klarem, fließendem Wasser erfolgen. Sichtbare Partikel können mit einer desinfizierten Pinzette vorsichtig entfernt werden. Zur Desinfektion sollten hier keine Iod-haltigen Zubereitungen zum Einsatz kommen. Bei nur leicht verschmutzten Wunden kann auf eine Desinfektion häufig ganz verzichtet werden.
Das Abheilen insbesondere nässender Schürfwunden kann durch eine feuchte Wundversorgung unterstützt werden. Für sie stehen heute entsprechende Materialien zur Verfügung, zum Beispiel Hansaplast Zweite Haut Schutz, Cosmos® Schürfwundenpflaster oder Gotac®. Sie enthalten eine Hydrogel-Wundauflage, die überschüssiges Wundsekret aufnimmt und von der Wundoberfläche fernhält, ohne mit ihr zu verkleben oder sie austrocknen zu lassen. Dieses Gleichgewicht spielt im Heilungsprozess eine wichtige Rolle, denn Wundsekret enthält wichtige Nährstoffe und Leukozyten. Zudem unterstützt es die Reepithelisierung der Wundfläche. Hierbei wandern neue Epithelzellen von den Wundrändern nach und nach Richtung Wundmitte und sorgen so für einen Wundverschluss. Eine herkömmliche Wundversorgung mit den erforderlichen Verbandwechseln kann diesen Prozess immer wieder unterbrechen und zu einem Aufreißen der gerade gebildeten, noch dünnen Hautoberfläche führen. Auch bei einer feuchten Wundversorgung können Verbandwechsel erforderlich sein. Da das Material nicht mit der Wunde verklebt, stört dies den Heilungsprozess jedoch praktisch nicht.
Zelltrümmer und Flüssigkeitsansammlungen spielen oft auch bei Verbrennungen und Verbrühungen eine Rolle, sodass sich auch hier bei Bedarf eine feuchte Wundversorgung mit einem Verband oder Gel (etwa Cosmos® Brandwundenpflaster oder Bepangel®) empfiehlt. Zuvor gilt: Betroffene Hautstelle zunächst unter fließendem, handwarmem Wasser mehrere Minuten (maximal 20 Minuten) kühlen, um den Hitzeprozess zu stoppen und den Schmerz zu lindern.
Wunden, die eine starke Rötung aufweisen, pochen, sich warm anfühlen oder eitern, sollten nicht im Rahmen einer Selbstmedikation behandelt werden. Hier besteht der Verdacht auf eine Entzündung beziehungsweise Infektion, sodass ärztlicher Rat empfehlenswert ist. Bisswunden sind mit einer hohen Infektionsgefahr verbunden, und auch bei Wunden mit Verschmutzungen und Partikeln, die sich nicht einfach entfernen lassen, ist eine ärztliche Kontrolle beziehungsweise Behandlung erforderlich. Zudem sollte auf einen aktuellen Tetanus-Impfschutz geachtet werden.