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SGLT-2-Inhibitoren
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Fett schwindet, Muskelmasse auch

SGLT-2-Inhibitoren, sogenannte Gliflozine, haben viele positive Effekte: Sie senken den Blutzucker bei Menschen mit Typ-2-Diabetes und reduzieren das kardiovaskuläre Risiko. Aber sie scheinen auch die Muskelmasse anzugreifen.
AutorKontaktBrigitte M. Gensthaler
Datum 03.02.2023  10:30 Uhr

Gliflozine wie Dapagliflozin, Empagliflozin und Ertugliflozin hemmen den Natrium-Glucose-Cotransporter-2 (SGLT-2) und erhöhen so die renale Glucoseausscheidung. Das macht sie – auch in Kombination mit Metformin oder einem DPP4-Hemmer (Gliptin) – zu gefragten Diabetesmedikamenten, was die Nationale Versorgungsleitlinie »Typ-2-Diabetes« unterstreicht. Aufgrund ihrer kardio- und renoprotektiven Eigenschaften sind Empagliflozin und Dapagliflozin zudem zugelassen für Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz, Dapagliflozin auch bei Niereninsuffizienz – unabhängig vom Vorliegen eines Diabetes mellitus.

SGLT-2-Inhibitoren verbessern bei Menschen mit Typ-2-Diabetes die Körperzusammensetzung. Sie verringern das Körpergewicht, den Body-Mass-Index (BMI) und das Körperfett. So weit, so gut. Aber sie scheinen auch die Muskelmasse zu verringern, wie eine kürzlich im Fachjournal »PLOS One« veröffentlichte Studie zeigte. 

In die systematische Literaturrecherche und Metaanalyse wurden 18 randomisierte kontrollierte Studien einbezogen. Eingeschlossen waren 1430 Teilnehmer, von denen 726 SGLT-2-Inhibitoren und 704 andere antidiabetische Medikamente einnahmen. Die Therapie mit SGLT-2-Inhibitoren reduzierte signifikant das Körpergewicht, den BMI, den Taillenumfang, das viszerale und das subkutane Fett, die Fettmasse und den prozentualen Körperfettanteil. Allerdings nahmen auch die fettfreie Körpermasse (Magermasse) und die Skelettmuskelmasse ab. Dies ist unerwünscht, weil es eine Sarkopenie, also Muskelschwund, fördert.

Allerdings nennen die Autoren selbst einige methodische Limitationen ihrer Analyse. So erfüllten nur wenige Studien die Auswahlkriterien. Die meisten hatten kleine Fallzahlen, die Studienpopulationen war heterogen und die Nachbeobachtungszeiten von median 24 Wochen waren recht kurz. Veränderungen im Verhältnis von Mager- zu Fettmasse wurden nicht analysiert. Bis mehr Evidenz zu den potenziellen Nachteilen der SGLT-2-Inhibitoren vorliege, sollte auf die Sarkopenie besonders geachtet werden, fordern die Autoren.

Was ist eine sarkopenische Adipositas?

Ohnehin leiden viele ältere Menschen und Patienten mit Typ-2-Diabetes an einer sogenannte sarkopenischen Adipositas. Damit bezeichnet man einen metabolischen Zustand der deutlich erhöhten Fettmasse bei gleichzeitiger reduzierter Muskelmasse und -funktion. Die Sarkopenie zählt zu den geriatrischen Syndromen und nimmt im Alter zu. Sie schränkt die Fähigkeit zur Alltagsbewältigung deutlich ein und mindert die Lebensqualität somit erheblich. Ebenso leiden chronisch kranke Menschen, zum Beispiel mit rheumatoider Arthritis oder Tumoren, gehäuft an einer Sarkopenie, was ihre Morbidität und Mortalität erhöht.

Kürzlich wiesen die Europäische Gesellschaft für Klinische Ernährung und Metabolismus (ESPEN) und die Europäische Adipositas-Gesellschaft (EASO) in einem Konsensuspapier auf die Bedeutung der sarkopenischen Adipositas hin und beschrieben Screening und Diagnosekriterien für die klinische Praxis.

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