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Vorreiter China
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Erstmals CAR-T-Zelltherapie gegen solide Tumoren

Noch vor wenigen Jahren galt China in der Zelltherapie vor allem als dynamischer Aufholer. Inzwischen entwickelt sich das Land zunehmend zum Taktgeber der klinischen Translation. Ein aktuelles Beispiel unterstreicht dies: Erstmals wurde ein internationaler Patient mit der in China entwickelten CAR-T-Zelltherapie Satricabtagene autoleucel (Satri-cel) gegen einen soliden Tumor behandelt.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 07.07.2026  12:30 Uhr

Wie mehrere internationale Medien, darunter die Medienplattform Fierce Biotech, aber auch die Association for the Advancement of Blood & Biotherapies (AABB), melden, hat China die weltweit erste CAR-T-Zelltherapie für solide Tumoren mit dem Präparat Satri-cel, entwickelt von dem Unternehmen Carsgen Therapeutics, genehmigt. Satri-cel zielt auf Claudin18.2 ab, ein Protein, das in mehreren gastrointestinalen Krebsarten exprimiert wird.

Das Besondere: Während CAR-T-Zelltherapien seit Jahren die Behandlung bestimmter Leukämien und Lymphome revolutionieren, blieben solide Tumoren bislang die große ungelöste Herausforderung für diese Form der Immuntherapie. Die dichte Tumormikroumgebung, eine unzureichende Infiltration der T-Zellen sowie vor allem das Fehlen geeigneter Zielstrukturen verhinderten bislang den Durchbruch. Nun wurde erstmals eine CAR-T-Zelltherapie regulatorisch für einen soliden Tumor zugelassen.

Basis der Zulassung bildet das Ergebnis einer Phase-II-Studie 

Die wissenschaftliche Grundlage für die Genehmigung liefert die im Journal »The Lancet« veröffentlichte Phase-II-Studie CT041-ST-01, über die auch in der PZ berichtet wurde. Sie ist weltweit die erste randomisierte kontrollierte Studie, die eine CAR-T-Zelltherapie bei einem soliden Tumor untersucht und gleichzeitig ihre Überlegenheit gegenüber einer Standardtherapie demonstriert. Untersucht wurde Satri-cel bei Patienten mit fortgeschrittenem, HER2-negativen, Claudin18.2-positiven Magen- oder gastroösophagealen Übergangskarzinom nach mindestens zwei vorausgegangenen Therapielinien.

Claudin18.2 hat sich in den vergangenen Jahren als eines der wichtigsten molekularen Ziele beim Magenkarzinom etabliert. Das Tight-Junction-Protein wird bei einem erheblichen Anteil der Tumoren stark exprimiert und dient bereits als Angriffspunkt des monoklonalen Antikörpers Zolbetuximab. Satri-cel verfolgt jedoch einen grundlegend anderen Ansatz: Patienteneigene T-Lymphozyten werden gentechnisch so verändert, dass sie Claudin18.2-exprimierende Tumorzellen gezielt erkennen und eliminieren. Anders als mit Antikörpertherapien soll damit nach wenigen Infusionen eine lang anhaltende zelluläre Immunantwort erreicht werden.

Die Ergebnisse der Studie: Die Ansprechrate (ORR) betrug im Satri-cel-Arm 35 Prozent versus 4  Prozent in der Kontrollgruppe. Das mediane Gesamtüberleben wurde um 2,4 Monate verlängert, und das Sterberisiko sank in der Verumgruppe um 31 Prozent.

Wie bei praktisch allen CAR-T-Therapien ging die hohe Wirksamkeit mit einer erheblichen akuten Toxizität einher. Schwere hämatologische Nebenwirkungen traten sehr häufig auf, und 95 Prozent der Patienten entwickelten ein Zytokin-Release-Syndrom, das jedoch überwiegend niedriggradig verlief und gut kontrolliert werden konnte.

Die eigentliche Botschaft reicht jedoch über diese klinischen Daten hinaus. China hat nicht nur die weltweit erste zugelassene CAR-T-Zelltherapie gegen einen soliden Tumor hervorgebracht, sondern beginnt nun auch, diese Innovation international verfügbar zu machen. Das zeigt: Im Bereich der Zell- und Gentherapien verschiebt sich das Innovationszentrum zunehmend nach Asien.

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