| Theo Dingermann |
| 02.02.2026 07:00 Uhr |
In den USA wird der Entwicklungskandidat ER-100, der mittels vektorbasierter Gentherapie Zellen des Sehnervs verjüngen soll, am Menschen getestet. / © Getty Images/Vladislav Stepanov
Für Schlagzeilen aus der Longevity-Szene sorgt wieder einmal der bekannte aber keineswegs unumstrittene Havard-Wissenschaftler Professor Dr. David Sinclair. Dieser propagiert zusammen mit vielen anderen die »Information Theory of Aging«. Nach dieser Theorie ist Altern primär auf einen fortschreitenden Verlust epigenetischer Information und damit auf eine Fehlregulation der DNA-Methylierung zurückzuführen. Diese Veränderungen führen zu systematischen Verschiebungen der Genexpression und gelten als zentraler Treiber altersassoziierter Erkrankungen in unterschiedlichen Organen.
Das Biotech-Unternehmen Life Biosciences positioniert sich explizit auf dieser theoretischen Grundlage und verfolgt einen therapeutischen Ansatz, der nicht einzelne Krankheiten, sondern die zugrunde liegenden Alterungsmechanismen adressieren soll.
Kern dieser Strategie ist die sogenannte »partielle epigenetische Reprogrammierung«. Die Prinzipien der epigenetischen Reprogrammierung wurden von dem japanischen Forscher Professor Dr. Shinya Yamanaka erarbeitet. Für diese Forschung erhielt er 2012 zusammen mit dem Briten Professor Dr. John B. Gurdon den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin. Yamanaka konnte zeigen, dass sich mit Hilfe der vier Transkriptionsfaktoren Oct3/4, Sox2, Klf4 und c-Myc somatische Zellen in pluripotente Stammzellen zurückversetzten lassen, indem das epigenetische Muster den Zustand einnimmt, der in embryonalen Zellen vorliegt.
Bei der partiellen epigenetischen Reprogrammierung werden im Unterschied zur vollständigen Reprogrammierung nur die drei Transkriptionsfaktoren Oct4, Sox2 und Klf4 (OSK-Transkriptionsfaktoren) eingesetzt. Dadurch behalten die somatischen Zellen ihre Zellidentität. Das heißt, sie nehmen nicht den Status von pluripotenten Stammzellen an, was nach Aussage der Forschenden das Risiko einer malignen Entartung stark reduziert – was natürlich vorausgesetzt wird, um einen solchen Ansatz am Menschen zu testen.
Life Biosciences hat diesen Ansatz präklinisch umfassend ausgetestet mit dem Ziel, die epigenetischen Marker der behandelten Zellen in Richtung eines »jüngeren« Zustands zu verschieben, um so funktionelle Verbesserungen zu erzielen. Hinweise auf eine umfassende Entdifferenzierung oder gar Tumorbildung beobachteten die Forschenden nicht.