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Myokarditis/Perikarditis
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Erklärung für Impfnebenwirkung gefunden?

Eine Myokarditis/Perikarditis als sehr seltene Nebenwirkung der Coronaimpfung mit einem mRNA-Impfstoff ist laut einer aktuellen Publikation keine Folge einer überschießenden Antikörperproduktion. Stattdessen wurden zwei andere Auslöser identifiziert.
AutorKontaktAnnette Rößler
Datum 08.05.2023  07:00 Uhr

Eine verstärkte Signalgebung durch proinflammatorische Zytokine sowie in der Folge die Expansion aktivierter weißer Blutkörperchen hat ein Forscherteam um Anis Barmada von der Yale School of Medicine in New Haven als Treiber der Entzündung des Herzmuskels beziehungsweise -beutels (Myokarditis/Perikarditis) ausgemacht, zu der es nach einer mRNA-Impfung gegen SARS-CoV-2 kommen kann. Insbesondere junge Männer sind für diese Impfkomplikation gefährdet, wobei stets zu bedenken ist, dass sie trotzdem insgesamt sehr selten auftritt und bei den mRNA-Impfstoffen auch seltener als bei anderen Vakzinen.

Der zugrundliegende Pathomechanismus war bisher noch nicht aufgeklärt. Teilweise wurde vermutet, dass es sich um eine Hypersensitivitätsmyokarditis handeln könnte, wie sie etwa als Nebenwirkung von bestimmten Medikamenten auftreten kann, oder dass eine überdurchschnittlich starke Produktion von SARS-CoV-2-spezifischen Antikörpern der Auslöser sein könnte. Beides erklären nun die Autoren der Studie, die im Fachjournal »Science Immunology« erschienen ist, anhand ihrer Ergebnisse für unwahrscheinlich.

Die Gruppe hatte Blutproben von 23 zuvor gesunden Personen analysiert, die infolge der zweiten SARS-CoV-2-mRNA-Impfung eine Myokarditis/Perikarditis entwickelt hatten. Die Probanden waren 13 bis 21 Jahre alt; 20 von ihnen waren männlich. Der Untersuchung zufolge waren proinflammatorische Zytokine (Interleukine, Chemokine und Matrix-Metalloproteinasen) nach der Impfung angestiegen. Dadurch wurden zytotoxische T-Zellen und natürliche Killerzellen (NK-Zellen) mit dem Oberflächenrezeptor CXCR3 verstärkt gebildet, die Herzgewebe angreifen können.

Die Myokarditis/Perikarditis infolge der mRNA-Impfung sei somit wahrscheinlich zytokinbedingt, schreiben die Autoren. Dies solle bei der Planung künftiger Studien berücksichtigt werden, um das bereits exzellente Sicherheitsprofil der mRNA-Impfstoffe in bestimmten Subgruppen noch weiter zu optimieren.

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