Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Pro-Generika-Bilanz
-
Engpassgesetz verfehlt Ziele

Weder siedeln sich mehr Pharmaunternehmen in Deutschland an noch sind die Arzneimittellieferengpässe Geschichte – beides hatte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) aber prognostiziert. Vehikel sollte das Lieferengpassgesetz (ALBVVG) sein. Nach einem Jahr ziehen die Generikahersteller eine ernüchternde Bilanz.
AutorKontaktCornelia Dölger
Datum 30.09.2024  17:14 Uhr

Lange bevor das Bundesgesundheitsministerium (BMG) die für Ende kommenden Jahres geplante Evaluation zum Arzneimittel-Lieferengpassbekämpfungs- und Versorgungsverbesserungsgesetz (ALBVVG) startet, haben die Generikahersteller in Deutschland eine ernüchternde Bilanz gezogen: Das Lieferengpassgesetz hat demnach keins der Versprechen erfüllt, die die Versorgungslage bei Arzneimitteln entspannen sollten. Ihr Fazit: Das Engpassrisiko ist genau so hoch wie vorher.

Dabei stehen die Generikahersteller besonders im Fokus des Regelwerks, das im Sommer 2023 in Kraft trat. Sie sollen mit dem Lieferengpassgesetz entlastet werden. Als Maßnahmen bewarb das BMG etwa die Preislockerung bei Kinderarzneimitteln. Durch die Aufhebung der Festbeträge können die Unternehmen demnach für alle Medikamente, die auf einer beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) geführten Liste stehen, ihre Preise einmalig um bis zu 50 Prozent des zuletzt geltenden Festbetrages beziehungsweise Preismoratoriums-Preises anheben. Überdies soll es künftig keine Rabattverträge für Kinderarzneimittel mehr geben.

Im Blick hat das BMG zudem den Produktionsstandort Deutschland und Europa. Herstellern von Antibiotika sowie von Krebsmedikamenten sollen Anreize geboten werden, sich dort wieder anzusiedeln. So sollen die Lieferketten vielfältiger werden. Europäische Hersteller müssen demnach bei Ausschreibungen berücksichtigt werden.

Ziel des Ganzen war und ist, die Engpasslage zu entschärfen und dafür den wirtschaftlichen Druck von den Generikaherstellern zu nehmen. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte selbst von einer »Überökonominisierung« bei Generika gesprochen und kurz nach Inkrafttreten des Gesetzes zuversichtlich prognostiziert, dass mit den neuen Vorgaben schon bald Schwung in die hiesige Arzneimittelproduktion käme.

Mehr von Avoxa