| Johanna Hauser |
| 03.06.2026 14:00 Uhr |
Impfungen retten Menschenleben, dennoch bleibt auch in Deutschland ein Teil der Bevölkerung gegen einzelne oder mehrere impfpräventable Erkrankungen ungeimpft. Eltern zeigen jedoch eine hohe grundsätzliche Zustimmung zu Impfungen. / © Getty Images/ Vladimir Vladimirov
Das Robert Koch-Instituts (RKI) erfasst die Impfbereitschaft der Bevölkerung systematisch, wobei auch soziale, psychologische und praktische Faktoren wie Hürden im Alltag berücksichtigt werden. Dazu gehört auch das Forschungsprojekt IMPRESS (IMpfverhalten verstehen, PReparednESS steigern), bei dem das RKI Hintergründe zu Impfentscheidungen abfragt. Ziel des Projekts ist, evidenzbasierte Maßnahmen zu entwickeln, um die Impfsituation in Deutschland zu verbessern.
Die Online-Befragung zum Impfen findet jährlich im Herbst statt und berücksichtigt drei Personengruppen: die Allgemeinbevölkerung, Personen mit Impfempfehlung für Grippe und Eltern von Kindern unter sieben Jahren. Der Befragungszeitraum erstreckt sich über drei Jahre (2025 bis 2027). Erste Daten zum Impfverhalten von Eltern stellte das Institut jetzt am 1. Juni vor. Für diese Subgruppenanalyse waren 617 Eltern von Kindern unter sieben Jahren befragt worden.
Die Analyse zeigt, dass die Zustimmung zu Impfungen bei Eltern von Kindern ab fünf und unter sieben Jahren besonders hoch ist. In dieser Gruppe bewerten rund neun von zehn Befragten Impfungen als (eher) sicher. Bei Eltern von Kindern unter fünf Jahren fällt die Zustimmung mit etwa acht von zehn etwas geringer aus, ist aber nach wie vor hoch. Ebenfalls ist das Vertrauen in die Kinderärzte hoch. Acht von zehn Eltern vertrauen den ärztlichen Empfehlungen, die dadurch eine wesentliche Rolle bei der elterlichen Impfentscheidung spielen.
Die Betrachtung des sozialen Umfelds ergab, dass 80 Prozent der Eltern angaben, dass Familienangehörige eine Impfung befürworteten. Ebenso gehen die meisten Eltern davon aus, dass auch andere Eltern ihre Kinder meist impfen lassen. 98,8 Prozent der Befragten gab an, seitens des Kinderarztes schon einmal eine Impfempfehlung für den Nachwuchs erhalten zu haben.
Im Allgemeinen akzeptieren die Eltern die Vorgaben des Impfkalenders. Sieben von zehn Befragten gaben an, alle dort aufgeführten Impfungen für ihr Kind zu befürworten. Drei von zehn selektierten jedoch und lehnten es ab, dass ihr Kind alle Impfungen erhält. Dabei gab es gegen verschiedene Impfstoffe gleichermaßen Vorbehalte, sodass keine spezielle Impfung als besonders unerwünscht hervorgehoben werden kann.
Am Beispiel der Diphtherie-Tetanus-Pertussis-Impfung zeigte sich, dass 57,8 Prozent der Kinder unter fünf Jahren altersgerecht geimpft sind, das heißt, die Grundimmunisierung im Säuglingsalter abgeschlossen wurde. 38,8 Prozent war nicht altersgerecht immunisiert, 3,4 Prozent der Kinder waren ungeimpft.
Die meisten Eltern empfinden den Zugang zu Kinderimpfungen als einfach. Ein Teil sieht jedoch organisatorische Hürden wie die schlechte Vereinbarkeit mit der Arbeit, ungünstige Öffnungszeiten der Arztpraxis oder zu lange Wartezeiten.
Die Analyse zeigt ebenfalls, dass Impferinnerungen helfen können, die Impfqute zu steigern. So gaben sechs von zehn Eltern an, schon einmal an eine Impfung erinnert worden zu sein.
Wie bereits in der Auswertung der Impfakzeptanz in der Allgemeinbevölkerung zeigte sich auch für die nun vorliegende Subgruppenanalyse, dass die impfbezogene Gesundheitskompetenz eher niedrig ist. So waren Eltern teilweise sehr unsicher bei der Einordnung von Impfmythen.
Je 50 Prozent der Befragten erkannten die Falschaussage »Impfungen können Autismus auslösen« und die Fehlannahme »zu viele Impfungen zu früh« nicht als falsch oder waren diesbezüglich unsicher. Fehlannahmen zur natürlichen Immunität (»Kinder wären resistenter, würde man sie nicht immer gegen alle Krankheiten impfen«) lagen bei 40 Prozent der Befragten vor.
Laut RKI sollten verbreitete Impfmythen entkräftet und die Gesundheitskompetenz von Eltern durch verständliches und leicht zugängliches Informationsmaterial gestärkt werden. Eine zentrale Aufgabe von Public-Health-Akteuren bestehe darin, Unsicherheiten gegenüber einzelnen Impfungen gezielt zu adressieren.