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Osteoporose
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»Eine Lawine kommt auf uns zu«

Die Zahl an Osteoporose bedingten Frakturen hat in den vergangenen Jahrzehnten zugenommen und wird noch deutlich ansteigen. Der Grund: Osteoporose wird selten diagnostiziert und noch seltener behandelt – nicht einmal nach einem Bruch.
AutorKontaktChristina Hohmann-Jeddi
Datum 23.01.2026  11:10 Uhr

Bei der Osteoporose handele es sich nicht um eine schleichende Volkskrankheit, sie entwickele sich mehr zu einer Lawine. Das machte Dr. Friederike Thomasius vom Frankfurter Hormon- und Osteoporosezentrum beim Fortbildungskongress Pharmacon in Schladming deutlich. Osteoporose ist eine multifaktorielle systemische Erkrankung, wobei der wichtigste Risikofaktor das Alter und der damit zusammenhängende Knochenmasseverlust ist. Sie betrifft Männer und Frauen, wobei Frauen deutlich häufiger erkranken. Die Erkrankung geht mit einem erhöhten Frakturrisiko einher, das bei Männern ab 80 Jahren und bei Frauen ab 70 Jahren exponentiell zunimmt.

Ein Bruch erhöht dabei das Risiko für einen weiteren Bruch, und zwar je nach betroffenem Knochen zum Teil um den Faktor 1,7 bis 5. »Die Osteoporose hört ja nicht bei einem Knochen auf«, sagte Thomasius. Das Problem: Selbst nach einer Fraktur werden Patienten nicht auf Osteoporose hin untersucht und dementsprechend auch nicht therapiert. Daher nehme die Zahl der Osteoporose-bedingten Knochenbrüche zu: Zum einen wird die Erkrankung durch Überalterung der Bevölkerung häufiger und zum anderen bleibt sie unbehandelt. »80 Prozent der Patienten mit Osteoporose werden nicht therapiert und 70 Prozent der Personen mit Frakturen.«

Sieben bis acht Frakturen pro Patient

Wenn die Osteoporose unbehandelt bleibt, treten weitere Brüche auf. Sieben bis acht (vertebrale) Frakturen pro Patient seien keine Seltenheit, sagte die Referentin. Ein Grund für die Unterdiagnostik sei die fehlende Vernetzung in der Versorgung. Im Krankenhaus behandelten Chirurgen die Frakturen, diese leiteten aber meist keine Diagnostik und Arzneimitteltherapie ein. Das sei weltweit ein Problem. »In Deutschland stehen wir aber besonders schlecht da.«

Frakturen sind einschneidende Ereignisse, die sich massiv auswirken können. So liegt die Mortalität im ersten Jahr nach einem Schenkelhalsbruch bei 20 Prozent und nach einem Wirbelbruch bei 10 Prozent. Häufig ist auch die Mobilität stark eingeschränkt oder eine Aufnahme in eine Pflegeeinrichtung nötig. Dabei ließe sich das Frakturrisiko mit effektiver Therapie deutlich senken, sagte Thomasius. Dafür muss die Erkrankung rechtzeitig – am Besten vor dem ersten Bruch – erkannt werden.

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