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Neuropathische Schmerzen
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Eine gute Basistherapie ist das A und O

Neuropathische Schmerzen können aufgrund ihrer hohen Intensität und der teils schwierigen Behandlung großen Leidensdruck verursachen. Worauf es bei der Therapie ankommt, erklärte ein Schmerzmediziner beim Webinar »pDL Akademie« von Pharma4u.
AutorKontaktLaura Rudolph
Datum 21.11.2025  16:20 Uhr
Eine gute Basistherapie ist das A und O

Beim November-Termin der Webinarreihe »pDL Akademie« von Pharma4u ging Dr. Michael Überall, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS), auf die Eigenschaften und Behandlung neuropathischer Schmerzen ein.

»Neuropathische Schmerzen sind mit das Schlimmste, was einem Patienten widerfahren kann«, betonte der Schmerzmediziner. Im Gegensatz zu »biologisch sinnvollen« akuten Schmerzen, die auf eine Gewebeschädigung hinweisen und an den peripheren Nozizeptoren ihren Ursprung haben, entstehen neuropathische Schmerzen kurzschlussartig im schmerzweiterleitenden System – häufig ohne offensichtliche Ursache. Sie seien deshalb schwierig zu diagnostizieren. 

Die häufigsten Ursachen in Deutschland seien Diabetes mellitus und alkoholbedingte Schäden. Weitere mögliche Ursachen sind unter anderem Nervenverletzungen durch Unfälle, Operationen oder mechanischen Druck sowie Arzneimittel, Autoimmunerkrankungen oder eine Reaktivierung von persistierenden Viren (Beispiel Post-Zoster-Neuralgie).

Schmerzskala: häufig Werte zwischen 8 und 10

»Neuropathische Schmerzen haben eine sehr hohe Intensität, da der Schmerz ungefiltert kommt – ohne jegliche Schutzmechanismen«, erklärte Überall. Etwa 30 bis 40 Prozent der Patienten erreichten auf der numerischen Schmerzskala (0 bis 10) Werte zwischen 8 und 10.

Der Arzt erklärte, dass sich bei einer Neuropathie sowohl die Schmerzschwelle als auch die Schmerzintensität im Vergleich zu akuten Schmerzen verändern. Reize, die für gesunde Personen nicht schmerzhaft sind, können bei den Betroffenen Schmerzen auslösen (Allodynie). »Das kann bereits die Bettdecke oder die Kleidung auf der Haut sein.« Außerdem führen Reize, die normalerweise nur leichte Schmerzen verursachen, zu deutlich stärkeren Schmerzen (Hyperalgesie).

»Dazwischen liegt ein buntes Spektrum an Fehl- und Minderwahrnehmungen des gestörten Nervensystems.« Typische Empfindungen seien Brennen, Kribbeln oder das Gefühl von »Ameisenlaufen« in den Extremitäten. Am belastendsten seien jedoch blitzartige Schmerzattacken, die völlig unvorhersehbar auftreten. Viele Patienten entwickelten dadurch eine traumatische Belastungsstörung und zögen sich teils vollständig aus Alltagsaktivitäten zurück.

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