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Peptidomimetikum
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Ein TMPRSS2-Inhibitor als Mittel gegen SARS-CoV-2

Wirtsspezifische Zielstrukturen besitzen den Vorteil, dass gegen sie selten Resistenzen entwickelt werden. In diesem Kontext kennt man mit der transmembranen Serinprotease 2 (TMPRSS2) seit Langem ein attraktives Target, das eine Rolle beim Schutz vor SARS-CoV-2 spielen könnte. Gegen sie wurde nun ein niedermolekularer Inhibitor synthetisiert und funktionell charakterisiert.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 28.03.2022  18:00 Uhr

Hemmung auch von besorgniserregenden Varianten

Auch hinsichtlich der Fähigkeit, eine SARS-CoV-2-Infektion zu verhindern, erwies sich N-0385 als hoch aktiv . Dazu wurden Calu-3-Zellen drei Stunden lang mit 100 nM N-0385 vorbehandelt, bevor die Zellen mit SARS-CoV-2 infiziert wurden. N-0385 hemmte die Infektion der Zellen um > 99 Prozent. Im Vergleich dazu reduzierte Camostat die Infektion der Zellen um > 83 Prozent.

Auch gegen alle getesteten besorgniserregenden Varianten (VOC), darunter die SARS-CoV-2-VOC Alpha, Beta, Gamma und Delta erwies sich N-0385 sowohl nach mehrfacher als auch nach einmaliger Verabreichung hoch aktiv.

Die Autoren schließen, dass der von ihnen charakterisierte Inhibitor sowohl einen prophylaktischem als auch einen therapeutischem Nutzen entfalten sollte und besonders eine frühe Behandlungsoption zum Schutz vor Covid-19 und vor neu auftretenden besorgniserregenden Varianten von SARS-CoV-2 bieten könnte.

Erste Daten aus einem Tiermodell

Die Autoren zeigten zudem, dass N-0385 auch im Tiermodell wirksam ist. Bereits durch eine einmal tägliche intranasale Applikation von N-0385 zu einem frühen Zeitpunkt der Infektion, werden Krankheitssymptome wie Gewichtsverlust in einem transgenen Mausmodell signifikant verbessert. Keines der behandelten Tiere starb durch die Infektion.

Für ihre Versuche verwendeten die Autoren K18-hACE2-Mäuse, die den menschlichen ACE2-Rezeptor exprimieren, der durch einen Keratin-Promotor kontrolliert wird. In einem ersten Experiment wurde zehn Mäusen pro Gruppe eine einmalige tägliche intranasale Dosis von 7,2 mg/kg N-0385, N-0385(OH) oder eine Vehikelkontrolle (0,9-prozentige Kochsalzlösung) über acht Tage von Tag -1 bis Tag 6 relativ zur Infektion verabreicht. Die Mäuse wurden dann am Tag 0 mit 1 x 103 PFU/Maus von SARS-CoV-2 gezielt infiziert.

Gewichtsverlust und Überlebensdaten zeigen, dass Mäuse, die N-0385 erhielten, im Vergleich zu unbehandelten Mäusen eine stark reduzierte Morbidität und Mortalität aufwiesen. Der Gewichtsverlust bei den mit N-0385 behandelten Mäusen lag bei etwa 3 Prozent und die Überlebensrate bei etwa 70 Prozent. Im Gegensatz dazu verloren die mit N-0385(OH)- oder mit Kochsalzlösung behandelten Mäusen durchschnittlich etwa 14 Prozent an Gewicht und maximal 10 Prozent der Mäuse überlebten die Krankheit.

Die Wissenschaftler änderten das Behandlungsregime dahingehend, dass zehn Mäusen pro Gruppe von Tag 1 bis Tag 2 nach der Infektion therapiert wurden. Die mit N-0385 behandelten Mäuse überlebten zu 100 Prozent im Vergleich zu 20 Prozent in der Kontrollgruppe. Zudem nahmen die mit N-0385 behandelten Mäuse durchschnittliche 2 Prozent an Gewicht zu, während die Kontrolltiere durchschnittlichen 14 Prozent an Gewicht verloren.

Zusammengenommen deuten alle In-vivo-Daten darauf hin, dass N-0385 die Morbidität und Mortalität im Mausmodell eine schwere SARS-CoV-2-Erkrankung signifikant verhindert, selbst wenn die Behandlung auf eine frühe Infektion beschränkt wird.

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