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Hessen 
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Ein Jahr ePA 

Vor gut einem Jahr ist die elektronische Patientenakte (ePA) an den Start gegangen. Mit dieser erhalten Versicherte per App Zugriff auf Befunde, Diagnosen und Pflegedaten. Die Nutzung bleibt schleppend. Ärztliches Personal, Kassen und Apotheken in Hessen fordern Nachbesserungen.
AutorKontaktdpa
AutorKontaktPZ
Datum 04.02.2026  12:30 Uhr

In der elektronischen Patientenakte (ePA) werden alle wichtigen Informationen zu Gesundheitszustand und Krankheitsgeschichte gespeichert. Am 15. Januar 2025 war die ePA gestartet. Seit Oktober 2025 sind Leistungserbringer wie Ärzte- oder Apothekerschaft verpflichtet, sie zu nutzen und neue Diagnosen und Befunde in der E-Akte abzulegen. Das soll zu einem erleichterten Dokumentenaustausch zwischen Praxen oder mit Apotheken und zu besseren Behandlungen beitragen.

Die digitale Akte sei sehr niedrigschwellig nutzbar, erklärte die AOK Hessen. »Versicherte können die ePA über ihr Smartphone nutzen und haben so orts- und zeitunabhängigen Zugriff. Dafür stellen die Krankenversicherungen jeweils Apps zur Verfügung, die den Zugang ermöglichen«, so der Versicherer. 

In die ePA eingestellt werden können zum Beispiel Befunde und Diagnosen, die ärztliches Personal im Rahmen von Vorbehandlungen erhoben und elektronisch verarbeitet hat. Auf Wunsch der Versicherten hin können zudem unter anderem elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen (eAU), Daten der Pflege und der pflegerischen Versorgung sowie Hinweise zur Organspende oder zur Patientenverfügung in die digitale Akte eingepflegt werden.

Kritik an der Akte 

Doch das System stößt weiterhin auf Kritik. Kassen, Ärztinnen, Ärzte und Apotheken in Hessen sehen Nachbesserungsbedarf, wie eine Umfrage zeigt. »Die ePA ist in der Theorie ein richtiges und wichtiges Projekt«, sagt Holger Seyfarth, Vorsitzender des hessischen Apothekerverbandes (HAV). Sie könne Versorgung sicherer und koordinierter machen.

»In der Praxis sehen wir aber noch viele offene Fragen und Probleme«, so Seyfarth. Die Nutzung sei noch uneinheitlich, vor allem die Befüllung der Akten laufe bislang schleppend. »Ein echter Mehrwert entsteht nur bei vollständigen, aktuellen und gut auffindbaren Informationen. Genau daran hapert es derzeit häufig«, so der HAV-Vorsitzende. Für Apotheken seien Inhalte oft schwer zu validieren und nicht zuverlässig genug für die tägliche Entscheidung.

Probleme der Apotheken 

Die Daten seien oft unvollständig oder nicht strukturiert. »Dokumente sind schwer zu finden und unterschiedlich benannt«, so Seyfarth. Verantwortlichkeiten für Aktualität und Korrektheit seien unklar. Technisch gebe es umständliche Prozesse, wechselnde Performance sowie hohe Aufwände für Rechte- und Zugriffsmanagement. Apotheken bräuchten verlässliche, schnell erfassbare Kerninformationen.

»Die ePA ist ein Baustein, aber kein ›Gamechanger‹ im Alltag«, ordnet Seyfarth ein. Medienbrüche und zusätzliche Arbeitsschritte bestünden weiter, Einsparungen oder Effizienzgewinne seien bislang nicht belegt. Gefordert würden klare Regeln zur Befüllung und Aktualisierung der ePA, verbindliche Qualitätsstandards für Daten und Struktur sowie praxistaugliche Zugriffsrechte für Apotheken.

Die Einschätzung des ärztlichen Personals

Auch die Landesärztekammer Hessen sieht Nachbesserungsbedarf. Sie halte die ePA grundsätzlich für eine gute Einrichtung, allerdings lasse ihre Funktionalität noch zu wünschen übrig. Es existierten Lücken, etwa weil bestimmte Schmerzmedikamente nicht erfasst werden könnten, wodurch die ePA noch nicht für alle Patientinnen und Patienten beziehungsweise Therapien nutzbar sei. Zudem gebe es zu viele Ausfälle der Telematik-Infrastruktur (TI). Grundsätzlich befürworte die Landesärztekammer Hessen eine ePA, doch Funktionalität und technische Zuverlässigkeit müssten verbessert werden.

Deutlich negativer äußert sich die Kassenärztliche Vereinigung Hessen. Die ePA sei schwierig im Prinzip und im Vergleich zu digitalen Patientinnen- und Patientenakten in anderen Ländern und ohne Wert für die Versorgung. Sie werde nur selten genutzt, weil es keinen erkennbaren Nutzen gebe. Den Anspruch der Digitalisierung im Gesundheitswesen löse sie nicht ein. Am Ende sei die Akte eine digitale Alditüte ohne Suchfunktion.

Die Idee einer versichertengeführten Akte sei eine Fehlkonstruktion. Fehlerhaft sei auch, dass Krankenhäuser noch nicht verpflichtet seien, Behandlungen in der ePA zu dokumentieren. Es gebe genügend Beispiele für funktionierende Patientenakten in anderen Ländern.

Das sagen die Versicherer 

Die ePA sei noch nicht im Versorgungsalltag angekommen, sagt Ralf Metzger von der AOK Hessen. 23.000 Versicherte nutzten die ePA aktiv oder hätten sich für die App registriert, bei über 1,7 Millionen Versicherten insgesamt. Die verpflichtende Befüllung seit dem 1. Oktober 2025 habe zwar einen Schub gebracht, jedoch auf geringem Niveau. Gründe seien hohe Hürden bei der Anmeldung durch hohe Sicherheitsanforderungen sowie die Tatsache, dass sich viele Menschen erst im Krankheitsfall mit der ePA beschäftigten.

Die Einführung der »ePA für alle« sei ein wichtiger und richtiger Schritt gewesen, um Nutzung, Vernetzung und Digitalisierung im Gesundheitswesen zu fördern. Die digitale Akte könne einen echten Nutzen haben, wenn sie flächendeckend eingesetzt und von Ärztinnen, Ärzten und Apotheken befüllt werde.

Die Barmer Hessen beschreibt ihre bisherigen Erfahrungen als positiv. Insbesondere die Medikationsliste werde gut angenommen und automatisch mit E-Rezept-Daten befüllt. Dies erhöhe die Arzneimitteltherapiesicherheit, da ein aktueller Überblick über verordnete Medikamente bestehe und Wechselwirkungen besser verhindert werden könnten.

Wünsche der Versicherten 

Auch das Interesse der Versicherten sei hoch. Benutzendenfreundlichkeit spiele für Versicherte und Leistungserbringende eine wichtige Rolle. Bevorzugt würden intuitive Anwendungen mit schneller oder automatischer Befüllung der ePA. Die Nutzung solle Leistungserbringenden einen echten Mehrwert bringen, etwa durch mehr Sicherheit bei der Verschreibung von Medikamenten und weniger Zeitverlust bei der Informationssuche. Weitere Anwendungen wie die Medikationsliste seien notwendig. Der Betreiber Gematik plane 2026 die Einführung des elektronischen Medikationsplans sowie eine automatisierte Prüfung von Arzneimitteln.

Die ePA soll zudem attraktiver werden. Ab Herbst soll es in den Krankenkassen-Apps Push-Benachrichtigungen zu neuen Dokumenten und Inhalten geben. Ab Jahresende soll für Ärztinnen und Ärzte eine Volltextsuche verfügbar sein.

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