US-Präsident Donald Trump kündigte am Samstag Zölle gegen Deutschland sowie Dänemark, Norwegen, Schweden, Frankreich, Großbritannien, die Niederlande und Finnland an. / © Imago Images/MediaPunch
Seitdem Donald Trump morgen vor einem Jahr wieder an die Macht kam, haben sich die Vereinigten Staaten und die Welt tiefgreifend gewandelt. Als eine seiner ersten Amtshandlungen im Gesundheitsbereich ordnete er den Austritt der USA aus der Weltgesundheitsorganisation (WHO) an. Trump erklärte in einem Präsidentenerlass, die Organisation habe schlecht auf die Coronavirus-Pandemie reagiert und fordere unfaire Beiträge von den Vereinigten Staaten.
Doch kaum ein Druckmittel war und ist für den US-Präsidenten so wichtig wie Zölle, die er wiederholt als sein »Lieblingswort« bezeichnete. Mit wirrer Zollpolitik sorgte er im vergangenen Jahr immer wieder für Unruhe. Inzwischen sind bereits 14 Pharmakonzerne Deals mit ihm eingegangen und sagten zu, Milliarden in den USA zu investieren und Arzneimittel mit Rabatt über den von Trump initiierten Direktvertrieb »TrumpRX« zu verkaufen.
Trump sind die hohen Arzneipreise in den USA schon länger ein Dorn im Auge, weshalb er die dortigen Preise für verschreibungspflichtige Medikamente auf das Niveau der niedrigsten Preise anderer Industrienationen senken will (»Most-Favored-Nation«-Prinzip). Der Pharmakonzern Merck willigte beispielsweise ein, Behandlungen für künstliche Befruchtungen in den USA deutlich günstiger anzubieten, im Gegenzug soll der Konzern von Pharmazöllen befreit bleiben. Bedingung ist, dass er in die Produktion und Forschung in den USA investiert. Einem ähnlichen Abkommen mit der Trump-Regierung schloss sich kürzlich Boehringer Ingelheim an.
Diese Zollpolitik hat erhebliche Auswirkungen auf die deutsche Pharmaindustrie, kritisiert der Verband Pharma Deutschland: Fehlende Verlässlichkeit der Rahmenbedingungen führten zu einer Planungsunsicherheit bei den Unternehmen, die Kosten steigere und Investitionen erschwere. Die Zölle würden zu deutlich höheren Preisen und einer mindestens vorübergehend erheblich schlechteren Verfügbarkeit von Therapien führen. Auch die Herstellungskosten könnten erheblich steigen und Produktionsverlagerungen nach sich ziehen. Sollte die US-Administration an ihrer protektionistischen Linie festhalten, rechnet die Branche mit nachhaltigen Belastungen für den Standort Deutschland, so der Verband weiter. Umso wichtiger sei es, durch Abkommen wie das EU-Mercosur-Abkommen neue Absatzmärkte zu erschließen und Handelsbeziehungen zu diversifizieren.
Mit Blick auf die US-Zollpolitik arbeitet der Pharmakonzern Bayer nach eigenen Angaben beispielsweise fortwährend daran, die Stabilität und Resilienz seiner Lieferketten zu sichern und mögliche Auswirkungen auf das Geschäft sowohl kurzfristig als auch mittelfristig bis langfristig zu minimieren.
Ein Jahr nach Trumps Amtsantritt wird klar, dass die Negativfolgen für die deutsche Wirtschaft von Dauer sind. Zwar haben sich die EU und die USA im Sommer 2025 auf ein Abkommen geeinigt, das für die meisten EU-Importe einen Zollsatz von 15 Prozent vorsieht – auch auf Arzneimittel. Das Ifo-Institut rechnet mit jahrelangen Belastungen für die deutsche Wirtschaft. Laut Statistischem Bundesamt lag der deutsche Export im November um fast ein Viertel unter Vorjahresniveau.
Das Virus SARS-CoV-2 hat unsere Welt verändert. Seit Ende 2019 verbreitet sich der Erreger von Covid-19 und stellt die Wissenschaft vor enorme Herausforderungen. Sie hat sie angenommen und rasch Tests und Impfungen, auch für Kinder, entwickelt. Eine Übersicht über unsere Berichterstattung finden Sie auf der Themenseite Coronavirus.