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Zölle und Impfungen
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Ein Jahr Donald Trump: Eine Bilanz

Am 20. Januar jährt sich die Amtsübernahme von US-Präsident Donald Trump. Seitdem wächst die weltweite Unsicherheit durch Zölle als Machtinstrument und Druck auf Forschungseinrichtungen. Aktuell sorgt Trump mit neuen Zollforderungen im Grönland-Konflikt für Unruhe.
AutorKontaktMelanie Höhn
AutorKontaktdpa
Datum 19.01.2026  13:02 Uhr

Seitdem Donald Trump morgen vor einem Jahr wieder an die Macht kam, haben sich die Vereinigten Staaten und die Welt tiefgreifend gewandelt. Als eine seiner ersten Amtshandlungen im Gesundheitsbereich ordnete er den Austritt der USA aus der Weltgesundheitsorganisation (WHO) an. Trump erklärte in einem Präsidentenerlass, die Organisation habe schlecht auf die Coronavirus-Pandemie reagiert und fordere unfaire Beiträge von den Vereinigten Staaten.

Doch kaum ein Druckmittel war und ist für den US-Präsidenten so wichtig wie Zölle, die er wiederholt als sein »Lieblingswort« bezeichnete. Mit wirrer Zollpolitik sorgte er im vergangenen Jahr immer wieder für Unruhe. Inzwischen sind bereits 14 Pharmakonzerne Deals mit ihm eingegangen und sagten zu, Milliarden in den USA zu investieren und Arzneimittel mit Rabatt über den von Trump initiierten Direktvertrieb »TrumpRX« zu verkaufen.

Trump sind die hohen Arzneipreise in den USA schon länger ein Dorn im Auge, weshalb er die dortigen Preise für verschreibungspflichtige Medikamente auf das Niveau der niedrigsten Preise anderer Industrienationen senken will (»Most-Favored-Nation«-Prinzip). Der Pharmakonzern Merck willigte beispielsweise ein, Behandlungen für künstliche Befruchtungen in den USA deutlich günstiger anzubieten, im Gegenzug soll der Konzern von Pharmazöllen befreit bleiben. Bedingung ist, dass er in die Produktion und Forschung in den USA investiert. Einem ähnlichen Abkommen mit der Trump-Regierung schloss sich kürzlich Boehringer Ingelheim an.

Dauerhafte Negativfolgen für die deutsche Wirtschaft

Diese Zollpolitik hat erhebliche Auswirkungen auf die deutsche Pharmaindustrie, kritisiert der Verband Pharma Deutschland: Fehlende Verlässlichkeit der Rahmenbedingungen führten zu einer Planungsunsicherheit bei den Unternehmen, die Kosten steigere und Investitionen erschwere. Die Zölle würden zu deutlich höheren Preisen und einer mindestens vorübergehend erheblich schlechteren Verfügbarkeit von Therapien führen. Auch die Herstellungskosten könnten erheblich steigen und Produktionsverlagerungen nach sich ziehen. Sollte die US-Administration an ihrer protektionistischen Linie festhalten, rechnet die Branche mit nachhaltigen Belastungen für den Standort Deutschland, so der Verband weiter. Umso wichtiger sei es, durch Abkommen wie das EU-Mercosur-Abkommen neue Absatzmärkte zu erschließen und Handelsbeziehungen zu diversifizieren.

Mit Blick auf die US-Zollpolitik arbeitet der Pharmakonzern Bayer nach eigenen Angaben beispielsweise fortwährend daran, die Stabilität und Resilienz seiner Lieferketten zu sichern und mögliche Auswirkungen auf das Geschäft sowohl kurzfristig als auch mittelfristig bis langfristig zu minimieren.

Ein Jahr nach Trumps Amtsantritt wird klar, dass die Negativfolgen für die deutsche Wirtschaft von Dauer sind. Zwar haben sich die EU und die USA im Sommer 2025 auf ein Abkommen geeinigt, das für die meisten EU-Importe einen Zollsatz von 15 Prozent vorsieht – auch auf Arzneimittel. Das Ifo-Institut rechnet mit jahrelangen Belastungen für die deutsche Wirtschaft. Laut Statistischem Bundesamt lag der deutsche Export im November um fast ein Viertel unter Vorjahresniveau.

Ab 1. Februar 10 Prozent auf sämtliche Waren

Ganz aktuell sind die Zölle auch im Grönland-Konflikt: Trump kündigte am Samstag zusätzliche Zölle gegen Deutschland sowie Dänemark, Norwegen, Schweden, Frankreich, Großbritannien, die Niederlande und Finnland an. Sie sollen laut Trump zunächst ab dem 1. Februar 10 Prozent auf sämtliche Waren betragen, die in die USA gesendet werden. Ab 1. Juni sollen sie auf 25 Prozent klettern. Dieser Zoll sei fällig, bis eine Einigung über den »vollständigen und umfassenden Kauf Grönlands« erzielt sei.

Trump besteht darauf, dass die ressourcenreiche Arktisinsel wegen der nationalen Sicherheit in den Besitz der USA übergehen müsse. Die Ankündigung Trumps kam nur kurz vor Unterzeichnung des Freihandelsabkommen zwischen der EU und dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur, das den Abbau von Zollbarrieren vorsieht.

Können die US-Zölle gekippt werden?

Nicht alle in den USA sind von Trumps Zöllen angetan. Jene, die Trump unter Berufung auf ein Notstandsgesetz von 1977 gegen Dutzende Handelspartner verhängte, werden vor dem Obersten Gericht der USA verhandelt. Die Frage ist, ob Trump seine Kompetenz überschritten hat. Dabei geht es auch um die Zölle auf EU-Produkte, die in die USA exportiert werden. Eine Entscheidung des Supreme Court steht noch aus.

Unklar ist, welchen konkreten Einfluss der Prozessausgang auf den Zolldeal zwischen EU und USA hat. Etwa, ob die US-Zölle dann gekippt werden könnten. Selbst wenn der Supreme Court gegen Trump entscheide, bedeute das aber nicht zwingend das Ende seiner Zollpolitik, meint Adam Hersh, Ökonom am Economic Policy Institute in Washington. Denn Trump habe noch andere gesetzgeberische Wege, um Zölle durchzusetzen,  auch weiter ohne Zustimmung des Kongresses.

Wissenschaftler und Studierende sind verunsichert

Trumps Politik verunsichert auch Wissenschaftler und Studierende weltweit. Die Wissenschaft sei das »Juwel in der Krone unseres Landes«, sagte der US-Materialforscher Omar Yaghi im vergangenen Jahr, kurz nachdem ihm und zwei Kollegen der Nobelpreis für Chemie verliehen wurde. »Also können wir nicht zulassen, dass uns das entgleitet.«

Genau das aber passiere, seitdem US-Präsident Donald Trump seine zweite Amtszeit angetreten hat, beschreiben viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Situation. Trumps Unterstützer und vor allem die des umstrittenen Gesundheitsministers Robert F. Kennedy Jr.  feiern dagegen die drastischen Veränderungen.

Viele der renommiertesten Universitäten und Forschungseinrichtungen des Landes erleben immensen Druck. Die US-Regierung wirft ihnen vor, Bastionen des Antisemitismus und der ideologischen Indoktrinierung zu sein und droht mit Etatkürzungen und Stellenstreichungen. Einige Universitäten sind deshalb eingeknickt, andere verhandeln oder versuchen, vor Gericht dagegen anzukämpfen wie beispielsweise Harvard.

Einige Forschungsbereiche bekommen den Druck der Regierung besonders stark zu spüren - allen voran die Klimaforschung, da Trump den menschengemachten Klimawandel leugnet. Der US-Kongress hat jedoch zumindest teilweise Widerstand angekündigt. Auch aus dem Weltklimarat IPCC, in dem Forscherinnen und Forscher aus aller Welt regelmäßig den aktuellen Stand der Klimaforschung zusammenfassen, ziehen sich die USA zurück.

11 statt 18 Immunisierungen

Nach nur rund einem Monat im Amt feuerte US-Gesundheitsminister Kennedy im August die Leiterin der Zentren zur Kontrolle und Prävention von Krankheiten (CDC), Susan Monarez. Sie war unter anderem beim Thema Impfungen mit dem Minister aneinandergeraten, der diesem sehr skeptisch gegenübersteht. Anfang 2026 verkündete die Trump-Regierung nun, dass für Kinder künftig nur noch zu 11 und nicht mehr zu 18 Immunisierungen geraten werde, auch wenn weiterhin alle Impfungen möglich seien. Kinderärzte kritisierten die neuen Empfehlungen scharf.

In Deutschland macht sich deutlich bemerkbar, wie sich der Wind in den USA gedreht hat. In einer Umfrage des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) unter US-Universitäten gaben Ende des vergangenen Jahres 67 Prozent der teilnehmenden Hochschulen an, das Interesse von Studierenden in den USA an einem Studium in Deutschland sei gestiegen. Bei Nachwuchsforschern waren es 70 Prozent, bei Professorinnen und Professoren 68 Prozent. Von der Max-Planck-Gesellschaft heißt es mit Blick auf die Leitungsstellen von Forschungsgruppen, die Zahl der Bewerbungen aus den USA habe sich verdoppelt. 

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