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Desvenlafaxin
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Ein gar nicht so neues Antidepressivum

Mit Desvenlafaxin kam im August ein alter Bekannter in neuem Gewand auf den Markt . Es handelt sich um den aktiven Hauptmetaboliten von Venlafaxin, das seit den 1990er-Jahren als Antidepressivum angewendet wird.
AutorKontaktBrigitte M. Gensthaler
Datum 12.09.2022  07:00 Uhr
Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Venlafaxin und Desvenlafaxin dürfen nicht miteinander kombiniert werden.

Die gleichzeitige Gabe von Monoaminoxidase-Inhibitoren (MAO-I) ist kontraindiziert. Die Behandlung mit Desvenlafaxin darf frühestens 14 Tage nach Absetzen des MAO-I beginnen; umgekehrt muss mindestens sieben Tage gewartet werden, bis nach Absetzen von Desvenlafaxin ein MAO-I gegeben werden darf. Zudem ist Desvenlafaxin aufgrund des erhöhten Risikos eines Serotoninsyndroms kontraindiziert bei Patienten, die mit einem reversiblen MAO-I wie Linezolid oder Methylenblau (intravenös) behandelt werden.

Wie bei anderen serotonerg wirksamen Arzneistoffen können unter Desvenlafaxin ein Serotoninsyndrom oder Reaktionen wie bei einem malignen neuroleptischen Syndrom (ein potenziell lebensbedrohlicher Zustand) auftreten. Vorsicht und eine engmaschige Überwachung sind daher geboten, wenn Desveneurax gleichzeitig mit anderen serotonergen Arzneimittel gegeben wird. Dazu gehören zum Beispiel Triptane, sS(N)RI, Lithium, Fentanyl und andere Opioide sowie Johanniskraut. Gleiches gilt für die Kombination mit Wirkstoffen, die den Stoffwechsel von Serotonin hemmen. Die Einnahme von Serotonin-Präkursoren wie Tryptophan wird nicht empfohlen.

Die gleichzeitige Anwendung von potenten CYP3A4-Inhibitoren kann zu höheren Desvenlafaxin-Konzentrationen führen.

Schwangerschaft und Stillzeit

Aufgrund mangelnder Erfahrung darf Desvenlafaxin bei schwangeren Frauen nur angewendet werden, wenn der zu erwartende Nutzen größer ist als die möglichen Risiken. Bei Einnahme bis kurz vor der Geburt kann das Neugeborene Absetzsymptome entwickeln. Desvenlafaxin wird in die Muttermilch ausgeschieden. Aufgrund möglicher schwerer Nebenwirkungen für das gestillte Kind sollte die Medikation sorgfältig abgewogen werden.

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