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Säuglingsnahrung
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EFSA nimmt Schnelleinstufung des Toxins Cereulid vor

Nach den Rückrufen von Säuglingsnahrung aufgrund eines enthaltenen Toxins hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) eine schnelle Risikobewertung von Cereulid vorgenommen – und konkrete Richtwerte vorgeschlagen.
AutorKontaktdpa
AutorKontaktPZ
Datum 02.02.2026  16:42 Uhr

Nach Rückrufen von Babynahrung im Zusammenhang mit dem bakteriellen Toxin Cereulid hat sich die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) eingeschaltet. Die EU-Kommission bat die Behörde um eine Einschätzung, wie gefährlich Cereulid für Säuglinge ist. Ziel ist es, Richtwerte festzulegen, ab wann belastete Produkte vorsorglich aus dem Handel genommen werden sollten.

Kürzlich war bekannt geworden, dass der Lebensmittelhersteller Danone in Deutschland mehrere Chargen seiner Babynahrung der Marke Aptamil® zurückruft. Wie das Unternehmen mitteilte, könnte darin Cereulid enthalten sein. In Abstimmung mit den zuständigen deutschen Behörden wurden drei Chargen zurückgerufen. Auch der Nahrungsmittelkonzern Nestlé rief deswegen schon mehrere Säuglingsnahrungsprodukte vorsorglich zurück.

Cereulid ist ein hitzestabiles Toxin, das von Bacillus cereus produziert wird. Es stört durch den Transport von Kaliumionen das Membranpotenzial von Zellen. Zudem kann es an den 5-HT3-Rezeptor binden. Beim Menschen kann es dadurch Übelkeit, Erbrechen und Durchfall hervorrufen. Cereulid ist auch Auslöser des sogenannten »Fried Rice Syndroms«. Dabei kommt es zu einer Lebensmittelvergiftung durch Bacillus cereus, wenn stärkehaltige Lebensmittel wie Reis oder Nudeln gekocht und zu lange bei Raumtemperatur gelagert werden.

Neue Richtwerte konservativ festgelegt

Nach EFSA-Angaben gibt es derzeit in mehreren Ländern weltweit Rückrufe von Babynahrungsprodukten . Die Behörde reagierte mit einer zügigen Risikobewertung und legte erstmals einen klaren Sicherheitsrichtwert speziell für Babys fest. Damit sollen Behörden in der EU schneller und einheitlicher entscheiden können, wann ein Rückruf notwendig ist. 

Die Wissenschaftler der EFSA schlugen für Cereulid bei Säuglingen eine akute Referenzdosis (ARfD) von 0,014 μg/kg Körpergewicht vor.  Da sehr junge Säuglinge (unter 16 Wochen) Stoffe anders verstoffwechseln als Erwachsene, wählte die EFSA einen vorsichtigen Ansatz und fügte bei der Festlegung der ARfD einen zusätzlichen Sicherheitsfaktor hinzu, teilte die Behörde mit.

Eltern sollten zurückgerufene Produkte auf keinen Fall weiter verwenden. Zeigen Babys nach dem Verzehr Symptome wie Erbrechen oder Durchfall, raten Fachleute dringend zu einem Arztbesuch. Magen-Darm-Erkrankungen können bei Säuglingen schnell zu Komplikationen führen. Cereulid ist laut EFSA ein von Bakterien gebildetes Gift, das 30 Minuten bis sechs Stunden nach der Einnahme plötzliche Übelkeit, Erbrechen und Magenschmerzen verursachen kann. 

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