| Melanie Höhn |
| 10.02.2026 16:00 Uhr |
Aufbauend auf den Erkenntnissen der »ADApp«-Studie soll die klinische Versorgungsstudie »Pallidrohne« die Effektivität und den Mehrwert einer drohnenbasierten Medikamentenlieferung in der Palliativversorgung untersuchen. / © UK Halle
Martin Grünthal, Inhaber der der Bauhaus-Apotheke in Dessau, möchte die Medikamentenversorgung durch den Einsatz von Drohnen in abgelegenen Dörfern, wo der Zugang zu medizinischer Versorgung oft eine Herausforderung darstellt, revolutionieren. Ursprünglich trieb ihn während der Corona-Pandemie im Rahmen seiner »ADApp«-Studie die Frage um, wie Menschen an Arzneimittel kommen können, wenn sie in häuslicher Quarantäne sind.
Sein Nachfolgeprojekt, das im Januar 2024 startete, befasst sich mit dem Thema Palliativversorgung. Für die Projektverantwortlichen – neben Martin Grünthal sind die »Arbeitsgemeinschaft Versorgungsforschung/Pflege im Krankenhaus« der Universitätsmedizin Halle (Saale), der Drohnenhersteller DiAvEn und die Firma brain-SCC für Portallösungen und Schnittstellen-Programmierung involviert – geht es perspektivisch um den Sprung in die flächendeckende Regelversorgung.
Aufbauend auf den Erkenntnissen der »ADApp«-Studie soll nun die klinische Versorgungsstudie »Pallidrohne« die Effektivität und den Mehrwert einer drohnenbasierten Medikamentenlieferung in der Palliativversorgung untersuchen. Das Ziel soll eine schnelle und kontaktlose Lieferung von Arzneimitteln per Drohne von der Apotheke bis zum Endverbraucher sein.
Kürzlich wurde dem Projekt vom Luftfahrt-Bundesamt eine Abwurfgenehmigung für Medikamente »über besiedeltem Gebiet« erteilt. Europaweit ist diese Zulassung bislang einmalig. Auf dieser Grundlage können nun Flüge unter Realbedingungen über Wohngebiete inklusive Bestellung durch die Patientinnen und Patienten via App («ADApp«) und Zustellung per Abwurf oder Landung durchgeführt werden.
»Das Besondere ist, dass wir Medikamente nun über besiedeltem Gebiet abwerfen können. Das wollen wir im Rahmen unserer Studie morgen testen und zeigen«, erklärte Martin Grünthal gegenüber der PZ. Die Drohne wird an der Bär-Apotheke in Dessau nach einer Medikamentenbestellung via App («ADApp«) durch einen Patienten starten und dann etwa drei Kilometer bis zum Anhalt-Hospiz fliegen. Dort soll dann die kleine Transportbox mit den darin enthaltenen Medikamenten abgeworfen und vom Team der spezialisierten ambulante Palliativversorgung (SAPV) des Hospizes und den Projektverantwortlichen in Empfang genommen werden.
»Wir wollen nachweisen, dass die Drohnenlieferung gefahrlos ist, am richtigen Ort bereitgestellt wird und niemand anders an die Medikamente herankommt«, erklärte Grünthal gegenüber der PZ. »Die letzte Meile fliegen wir zwar an, dort kann die Drohne aber aus Sicherheitsgründen nicht landen. Es muss eine andere Übergabemöglichkeit geben und deshalb testen wir das in Form eines Abwurfs«, sagte er. »Es war kompliziert, die Genehmigungen zu bekommen, einerseits von der Apothekenaufsichtsbehörde, andererseits von der Luftfahrtbehörde. Aber wir haben es geschafft.«
In der aktuellen Entwicklungsstufe des Projekts existiere nun ein Prozess, über den regelmäßig Medikamente an die Anhaltische Hospiz- und Palliativgesellschaft sowie die Pflegeheime K&S und Avendi in Dessau geliefert werden können. Dringend benötigte Medikamente könnten so ohne vorherige Landung direkt bei den Empfängern abgeworfen werden. »Das ermöglicht uns nun noch schneller und unkomplizierter Medikamente gezielt dorthin zu bringen, wo sie besonders dringend gebraucht werden«, erklärten die Projektverantwortlichen. Innerhalb des »Pallidrohne«-Projektes geht es aber perspektivisch darum, zu beweisen, dass eine direkte Medikamentenzustellung direkt bis zum Patienten zu Hause, alternativ zum Botendienst, möglich ist. »Als Gesundheitsdienstleister möchten wir auch die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen, um den vielfältigen Anforderungen unserer Kundschaft gerecht zu werden«, so Grünthal.
Gerade weil Palliativpatientinnen und -patienten eine besonders vulnerable und schützenswerte Personengruppe seien, haben es sich die Projektinitiatoren zur Aufgabe gemacht, diesem Personenkreis die bestmöglichste Versorgung zu ermöglichen und sie in ihren letzten Lebenstagen so gut wie möglich zu begleiten und zu unterstützen.
»Durch die Zustellung lebenswichtiger Medikamente per Drohne erhoffen wir uns nicht nur eine schnellere Reaktions- und Zustellzeit («Time to delivery«), sondern versprechen uns auch eine spürbare Erleichterung für Patienten, Angehörige und Pflegekräfte gleichermaßen. Neben dem Gefühl der Entlastung soll auch die Lebensqualität der PatientInnen und der pflegenden Angehörigen erhoben werden, sowie die Nutzbarkeit des Systems eruiert werden«, erklärten sie weiter.
Ihre Vision: Zukunftsnah drohnenbasierte Medikamentenlieferungen in den Versorgungsprozess unter Beteiligung aller Nutzergruppen zu integrieren und so die Anbindung der Menschen in den ländlichen Regionen zu unterstützen und ihre Autonomie zu erhalten.
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