»Es ist plausibel, dass Adipositas die Fähigkeit des Immunsystems schwächt, sich gegen infektiöse Bakterien, Viren, Parasiten oder Pilze zu verteidigen, was zu schwereren Krankheitsverläufen führen kann«, wird Kivimäki in einer Mitteilung von »The Lancet« zitiert.
Die Gründe könnten Faktoren sein, die mit Adipositas einhergehen, etwa ein nährstoffreiches Milieu, das das Überleben von Mikroorganismen begünstigt, sowie Insulinresistenz, Überzuckerung und chronische leichte Entzündungen. Die Studienautoren schreiben jedoch auch, dass aus den Daten zwar der Zusammenhang zwischen Übergewicht und Infektionsrisiko hervorgeht, aber nicht die genauen Gründe dafür.
Die Forschenden übertrugen die gewonnenen Erkenntnisse auf Daten der Studie »Global Burden of Disease« und konnten so für Weltregionen und für einzelne Länder das Risiko für schwere Infektionsverläufe errechnen. So zeigen sie für das Jahr 2023 für 4700 von 31.900 Todesfällen nach Infektionen in Deutschland einen Zusammenhang mit Adipositas auf; das waren 14,7 Prozent dieser Todesfälle. Damit lag Deutschland unter den Werten der USA (25,7 Prozent), Spaniens (21,2 Prozent), Großbritanniens (17,4 Prozent), aber deutlich über den Werten von China (9,0 Prozent) und Indien (3,8 Prozent).
Die Studienautoren warnen, dass sich die Situation in den kommenden Jahren verschärfen könne. »Da die Adipositasraten weltweit voraussichtlich steigen werden, wird auch die Zahl der Todesfälle und Krankenhausaufenthalte aufgrund von mit Adipositas verbundenen Infektionskrankheiten zunehmen«, sagt Nyberg.
Um das Risiko schwerer Infektionen sowie anderer mit Adipositas verbundener Gesundheitsprobleme zu reduzieren, bestehe ein dringender Bedarf an Maßnahmen, die Menschen dabei unterstützen, gesund zu bleiben und Gewicht zu reduzieren, betont die Forscherin.
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