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Laborunfall »wahrscheinlich«
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Diskussion um SARS-CoV-2-Ursprung hält an

Nach zweijähriger Arbeit hat ein im Auftrag des US-Repräsentantenhauses eingesetzter Untersuchungsausschuss seine Untersuchung zur Covid-19-Pandemie abgeschlossen. Als ein Ergebnis dieser Untersuchung halten es die Ausschussmitglieder für »wahrscheinlich«, dass die Pandemie aufgrund eines Laborunfalls ausgebrochen ist.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 04.12.2024  14:56 Uhr

Gründe für die Gegenthese

Sowohl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als auch viele internationale Wissenschaftler vertreten nach wie vor die Meinung, dass das Virus von Tieren in China auf Menschen übertragen wurde. Erst Mitte September dieses Jahres erschien eine große Arbeit im Fachjournal »Cell«, in der genetische Daten präsentiert werden, die eine zoonotische Übertragung des Virus auf dem Menschen zumindest nicht unwahrscheinlich erscheinen lassen. Aber auch diese Studie beweist weder die eine noch die andere Hypothese.

Das gilt auch für eine Studie, deren Ergebnisse in dieser Woche auf einem Meeting in Awaji, Japan, vorgestellt wurden und über die das Wissenschaftsmagazin »Nature« berichtet. Danach verdichten sich die Hinweise, dass zu der Zeit, als die ersten Covid-19-Fälle beschrieben wurden, auch mit Coronaviren infizierte Tiere auf dem Markt vorhanden waren.

Noch immer sucht man nach der Tierart, von der aus das Virus auf den Menschen übergesprungen war. Diese könnte anhand von Proben vom Tiermarkt gefunden werden, die offensichtlich jetzt vorliegen. Zu den Tieren, von denen die Proben stammen, gehören der Amerikanische Nerz (Neogale vison), das Hermelin (Mustela erminea), der Larvenroller (Paguma larvata), eine in Süd- und Südostasien verbreitete Art der Schleichkatzen, der Waschbärhund (Nyctereutes procyonoides), der Rotfuchs (Vulpes vulpes) und der Schweinsdachs (Arctonyx collaris). 

Aber selbst wenn in den Geweben Signaturen gefunden würden, die auf eine Immunreaktion als Konsequenz einer Infektion hindeuten, würde dies nicht den Nachweis des Virus in den Geweben ersetzen, um eine zoonotische Genese der Pandemie abzusichern.

Ein hochpolitischer Untersuchungsbericht von fraglicher Qualität

Ganz offensichtlich ist dieser Bericht stark politisch gefärbt. Dies wird besonders deutlich dadurch, dass kurz nach Veröffentlichung des offizielen, vom Ausschutzvorsitzenden unterzeichneten Bericht, ein Parallelbericht der Demokratischen Abgeordneten unter den Ausschussmitgliedern erschien. 

In diesem Bericht wird vielen Schlussfolgerungen aus den Untersuchungen eindeutig widersprochen. Somit reflektieren die Ergebnisse der beiden Abschlussberichte ziemlich genau die verhärteten politischen Positionen, die die USA während der frühen Phase der Pandemie begleiteten, und die sicherlich nicht primär dem Ziel dienten, eine Extremsituation für die Bevölkerung optimal zu managen. 

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