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Gefäßerkrankungen bei Frauen
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Diese Symptome werden leicht übersehen

Gefäßerkrankungen zeigen sich bei Frauen teilweise durch andere Beschwerden als bei Männern. Das kann dazu führen, dass gefährliche Erkrankungen spät erkannt werden.
AutorKontaktSven Siebenand
Datum 02.10.2026  10:30 Uhr

Die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin (DGG) weist in einer Pressemitteilung unter Berufung auf eine Übersichtsarbeit auf wichtige Geschlechterunterschiede bei Gefäßerkrankungen wie periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK), Verengungen der Halsschlagader oder Erkrankungen der Aorta hin.

Besonders deutlich werden die Unterschiede bei der PAVK, einer Durchblutungsstörung der Beine. Während als typisches Symptom Schmerzen in der Wade beim Gehen gelten, berichten Frauen häufiger über weniger eindeutige Beschwerden. »Stattdessen treten verstärkt diffuse Bein- oder Fersenschmerzen auf«, erklärt die Gefäßmedizinerin Dr. Deborah Uebermuth von der Universität Köln. Auch bei solchen unklaren Beschwerden sei es wichtig, an eine ABI-Messung (»Ankle-Brachial-Index«, Knöchel-Arm-Index) zu denken.

Hinzu kommt, dass die Erkrankung bei Frauen häufiger zunächst ohne erkennbare Symptome verläuft. Einer Bevölkerungsstudie zufolge betrifft dies 12,6 Prozent der Frauen mit PAVK, bei den Männern sind es 9,4 Prozent, die an einer PAVK erkrankt sind, aber zunächst keine Symptome zeigen. Zum Zeitpunkt einer Behandlung ist die Erkrankung bei Patientinnen zudem häufiger bereits weiter fortgeschritten: 16 Prozent leiden dann unter Ruheschmerzen, bei Männern sind es 11 Prozent.

Unterschiede gibt es laut DGG auch bei der medikamentösen Behandlung. Frauen mit PAVK erhalten demnach seltener Statine oder andere Medikamente, die das Risiko für Herz-Kreislauf-Komplikationen senken sollen. Dies entspreche nicht den Empfehlungen der Leitlinien, betont Uebermuth.

Unterschiede bei Aortenerkrankungen

Auch bei Verengungen der Halsschlagader spielen geschlechtsspezifische Unterschiede eine Rolle. Bis zum Alter von 70 Jahren treten Karotisstenosen bei Frauen seltener auf als bei Männern. Im höheren Alter nimmt ihr Anteil jedoch zu. Zudem sind die Gefäßdurchmesser bei Frauen durchschnittlich 6 bis 10 Prozent kleiner, was Eingriffe technisch erschweren kann.

Besonders relevant sind die Unterschiede nach Einschätzung der Fachgesellschaft bei Erkrankungen der Hauptschlagader. Frauen sind zwar seltener von Bauchaortenaneurysmen und Aortendissektionen betroffen, Bauchaortenaneurysmen können bei ihnen Studien zufolge jedoch schneller wachsen. Gleichzeitig haben gesetzlich krankenversicherte Männer in Deutschland ab 65 Jahren Anspruch auf ein einmaliges Ultraschallscreening auf ein Bauchaortenaneurysma. Einen entsprechenden Regelanspruch für Frauen gibt es bislang nicht.

Auch eine Aortendissektion kann bei Frauen schwieriger zu erkennen sein. Zwar treten auch bei Frauen meist Schmerzen im Brustbereich oder zwischen den Schulterblättern auf, der Schmerzbeginn kann laut DGG jedoch milder und weniger plötzlich sein. Begleiterscheinungen wie Kreislaufinstabilität oder Bewusstseinsstörungen können die Diagnose zusätzlich erschweren.

Die DGG fordert, geschlechtsspezifische Symptome in der medizinischen Versorgung stärker zu berücksichtigen. Zudem sollten Frauen in klinischen Studien ausreichend vertreten sein und Ergebnisse nach Geschlecht getrennt ausgewertet werden. Auch Leitlinien müssten Unterschiede deutlicher berücksichtigen, sofern dafür belastbare wissenschaftliche Daten vorliegen.

Frauen sollten insbesondere eine nachlassende Gehstrecke sowie anhaltende oder unklare Schmerzen in den Beinen ärztlich abklären lassen.

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