Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Schnupfen, Husten, Heiserkeit
-
Die Viren hinter der Erkältung

Wenn in der Bahn, der Kita oder im Restaurant viele schnupfen und niesen, dann hängen sie in der Luft: Erkältungserreger. Dabei können eine ganze Reihe von Viren die banalen Atemwegsinfektionen auslösen.
AutorKontaktChristina Hohmann-Jeddi
Datum 27.01.2026  16:20 Uhr

Die Nase läuft, der Hals kratzt, man fröstelt – in den Wintermonaten haben die meisten Menschen ab und an eine Erkältung. Hinter den Symptomen können etwa 200 verschiedene Erreger stecken: Rhino- und Adenoviren, SARS-CoV-2 und andere Coronaviren, Respiratorische Synzytialviren (RSV) und weitere Pathogene, die zum Teil in der kalten Jahreszeit verstärkt zirkulieren und Infektionen der oberen Atemwege beziehungsweise einen Schnupfen (Rhinitis) auslösen können.

Die klassischen Symptome sind Kratzen im Hals, Fließschnupfen, Kopfschmerzen, Fieber und auch Husten. Die Erkrankung verläuft meist mild und ist selbstlimitierend, aber bei Immunkompromittierten und Älteren können die Infektionen auch schwer verlaufen. Zwei bis vier banale Atemwegsinfekte gelten bei Erwachsenen pro Jahr als normal, Kinder sind zum Teil deutlich häufiger – etwa sechs- bei zehnmal pro Jahr – betroffen. 

Häufig und divers: Rhinoviren

Die klassischen Erkältungserreger, die fast 50 Prozent aller Erkältungen auslösen, sind die Rhinoviren. Mit den RNA-Viren aus der Gattung Enterovirus, Familie Picornaviridae, kann man sich quasi immer und überall infizieren – mehr als 150 verschiedene Serotypen sind weltweit verbreitet und ganzjährig aktiv. Sie werden über Schmierinfektionen, also über direkten Hautkontakt oder durch kontaminierte Gegenstände, aber auch über Tröpfchen und Aerosole in der Luft übertragen. Die Inkubationszeit beträgt ein bis vier Tage.

Die Viren infizieren vor allem die oberen Atemwege; bei Immungeschwächten können sie auch in die unteren Atemwege gelangen. Sie können Exazerbationen bei Asthma oder chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) auslösen. Eine kausale Therapie gegen Rhinoviren gibt es nicht, eine Schutzimpfung vor Infektionen auch nicht. An Impfstoffen, vor allem auf RNA-Basis, wird zwar gearbeitet, die Entwicklung wird aber durch die starke Heterogenität der Serotypen erschwert. Sie ist auch der Grund, warum man sich mit Rhinoviren immer wieder anstecken kann.

Besonders bekannt: Humane Coronaviren und SARS-CoV-2

Etwa 10 bis 15 Prozent der Erkältungen gehen auf die humanen Coronaviren (hCoV) zurück, RNA-Viren aus der Familie der Coronaviridae, die den Menschen befallen. Zu nennen sind hier die vier Vertreter hCoV-229E, -HKU1, -NL63 und -OC43. Das bekannteste Coronavirus ist seit der Pandemie SARS-CoV-2. Während hCoV-229E und -OC43 in den 1960er-Jahren entdeckt wurden, sind die anderen Viren vergleichsweise jung. Sie wurden 2004 und 2005 beschrieben, SARS-CoV-2 erst 2019.

Den Coronaviren ist gemeinsam, dass sie behüllt sind und ein einzelsträngiges RNA-Genom besitzen. Sie lösen Atemwegsinfektionen von unterschiedlichen Schweregraden aus – von banalen Erkältungen bis hin zu schweren Pneumonien und Bronchitiden. Die Viren sind weltweit zu finden und werden in der Regel über Tröpfchen und Aerosole, aber auch über Schmierinfektionen übertragen. Gegen SARS-CoV-2 gibt es bekanntermaßen eine Reihe von Impfstoffen, gegen die restlichen hCoV nicht. Auch kausale Therapien sind nicht vorhanden. Bei schweren Verläufen von SARS-CoV-2-Infektionen werden zum Beispiel Corticosteroide, Antikoagulanzien und künstliche Beatmung eingesetzt.

Extrem widerstandsfähig: Adenoviren

Bei Adenoviren handelt es sich um unbehüllte doppelsträngige DNA-Viren aus der Gattung Mastadenovirus. Sieben Arten sind humanpathogen. Die Erreger sind sehr resistent gegen chemische und physikalische Einwirkungen und auch gegen alkoholische Desinfektionsmittel. Da sie so widerstandsfähig sind, sollten bei bekannten Infektionen im Umfeld die Hygienemaßnahmen über vier Wochen erhöht werden. Übertragen werden die Viren – je nach Serotyp – vor allem über Schmierinfektionen, aber auch über Tröpfchen, die beim Husten, Niesen oder Sprechen entstehen. Auch im Schwimmbad kann man sich infizieren, wenn das Wasser nicht ausreichend stark gechlort ist.

Die Ausprägungen der Infektionen sind vielseitig. Die Erreger verursachen vor allem leichte Atemwegserkrankungen. Sie können aber auch Bronchitis oder eine Lungenentzündung beziehungsweise Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfälle, Bindehaut-, Harnblasen- oder Rachenentzündung auslösen. Für Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem können Adenovirus-Infektionen lebensbedrohlich werden. Behandelt werden sie symptomatisch; eine kausale Therapie gibt es nicht.

Gefährlich für Säuglinge und Ältere: RSV

Erkältungsähnliche Atemwegserkrankungen ruft auch RSV hervor, ein behülltes RNA-Virus, das zu der Familie Pneumoviridae gehört. Der Erreger befällt vor allem die Schleimhäute der oberen Atemwege und das Flimmerepithel der Bronchien. Dort bringt er die infizierten Zellen dazu, zu verschmelzen und Synzytien zu bilden, woher der Name stammt. Wie die anderen Erkältungserreger wird das Virus über Tröpfchen und Schmierinfektionen übertragen. Die Inkubationszeit beträgt etwa zwei bis acht Tage. RSV kann inzwischen durch Schnelltests, meist in Kombination mit Influenza A und B sowie SARS-CoV-2 nachgewiesen werden.

Gerade bei Säuglingen kann RSV schwere Infektionen hervorrufen, die zum Teil eine stationäre Behandlung erfordern. Zur Prophylaxe sind eine passive Immunisierung mit Nirsevimab (Beyfortus) und der Impfstoff Abrysvo zur maternalen Impfung zugelassen. Insgesamt sind inzwischen drei Impfstoffe verfügbar, neben Abrysvo noch Arexvy und mResvia, die laut Ständiger Impfkommission (STIKO) bei Menschen ab 75 Jahren eingesetzt werden sollen, die ein erhöhtes Risiko für schwere RSV-bedingte Erkrankungen haben.

Eng verwandt und klinisch ähnlich zu RSV ist das humane Metapneumovirus (HmpV). Bei Kleinkindern und Kindern ist es einer der häufigsten Erreger von Entzündungen der Bronchiolen. Bis zum Alter von sechs Jahren hatten die meisten Menschen einen ersten Kontakt mit dem Virus. Typische Symptome sind verstopfte Nase, Husten, Fieber und Kurzatmigkeit. Gegen das Virus sind keine kausale Therapie und auch kein Impfstoff vorhanden.

Wann zum Arzt?

Bei den meisten Erkältungen ist vor allem Geduld gefragt – sie klingen in der Regel innerhalb von sieben Tagen von selbst ab, wobei Bettruhe und symptomatische Therapien wie Fiebersenker oder Nasenspray die Beschwerden senken können. In einzelnen Fällen sollten die Infektionen doch ärztlich abgeklärt werden. Zu den Warnhinweisen zählt, wenn sich die Beschwerden verstärken, statt abklingen, hohes oder anhaltendes Fieber, Atemnot, Brustschmerzen und anhaltende Ohrenschmerzen. Gerade Ältere und immunsupprimierte Personen sollten ihre Atemwegsinfekte rechtzeitig abklären lassen. 

Mehr von Avoxa