Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Morbus Paget
-
Die unbekannte Knochenkrankheit

Spontane Knochenbrüche, Verkrümmungen der Wirbelsäule oder Gelenkentzündungen – was wie Osteoporose oder rheumatoide Arthritis aussieht kann auch ein Morbus Paget sein. Diese Knochenerkrankung bleibt häufig unerkannt. Doch das muss nicht sein.
AutorKontaktJohanna Hauser
Datum 16.01.2026  18:00 Uhr

Diagnostik über Blut, Urin und Bildgebung

Schildern Patienten klinische Symptome, die auf einen Morbus Paget hindeuten, kann zur Abklärung eine Bestimmung der Knochenphosphatase (BAP) im Serum sowie von Hydroxyprolin und Pyridinolin im Urin erste Hinweise liefern.

Die BAP wird in der Diagnostik von Knochenkrankheiten als Marker für den Knochenaufbau verwendet, da sie von Osteoblasten produziert wird. Sie ist bei mehr als 85 Prozent der unbehandelten Paget-Patienten erhöht. Eine Diagnosestellung allein über den BAP-Wert ist allerdings nicht zulässig. Dieser wird zur Beurteilung des Krankheitsverlaufs herangezogen. Da der Knochenaufbau verzögert nach dem Abbau einsetzt, reagiert auch der BAP-Wert verzögert – das gilt auch für die Verlaufskontrolle während einer Therapie.

Hydroxyprolin dient als Marker für den Kollagenumsatz, da bei Erkrankungen mit hohem Knochenumbau der Kollagenabbau erhöht ist. Auch Pyridinolin wird beim Knochenabbau frei und kann daher in der Diagnostik verschiedener Knochenerkrankungen genutzt werden. Als weiterer Hinweis für den Abbau der Knochen können das C-terminale Telopeptid (CTX) sowie das N-terminale Telopeptid (NTX) erhöht sein.

Die Entzündungswerte sind bei Morbus Paget normalerweise nicht auffällig. Werden Blutwerte zur Einschätzung des Krankheitsverlaufs herangezogen, ist die Abgrenzung zu rheumatischen Erkrankungen zu beachten, um eine Fehldiagnose zu vermeiden.

Über bildgebende Verfahren können die Umbauprozesse des Knochens gut erkannt werden. Eine Skelettszintigrafie mit 99m-Technetium-markierten Phosphaten deckt die Paget-Herde auf. Mit einer gezielten Röntgenaufnahme können diese Speicherherde dann verifiziert werden; der Knochenumbau ist gut erkennbar und zeigt typische Veränderungen.

Bisphosphonate als Therapie der Wahl

Ist der – manchmal lange – Weg zur Diagnose geschafft, ist Morbus Paget gut behandelbar. Mit Medikamenten und regelmäßigen ärztlichen Kontrollen lässt sich die Erkrankung eindämmen.

Das Ziel einer Therapie ist die Schmerzfreiheit und die Verhinderung des weiteren Knochenumbaus. So soll die Gabe von Bisphosphonaten sowie in seltenen Fällen von Calcitonin die Osteoklastenaktivität hemmen beziehungsweise die Riesenosteoklasten zerstören. Für Morbus Paget zugelassen sind Risedronat und Zoledronat; Infusionen scheinen einer oralen Gabe überlegen zu sein.

»Wir wissen schon lange, dass Bisphosphonate gut zur Behandlung der Paget-Krankheit wirken«, berichtete Dr. Frederick R. Singer vom John Wayne Cancer Institute in Santa Monica, Kalifornien, anlässlich der Vorstellung der überarbeiteten US-amerikanischen Leitlinie für die Diagnose und Behandlung der Paget-Krankheit des Knochens 2014. »Eine einmalige intravenöse Infusion von Zoldedronat hat sich als bevorzugte Option herausgestellt. Das Medikament kann die Paget-Krankheit für bis zu sechs Jahre in Remission versetzen.«

Begleitend dazu können Analgetika Schmerzen reduzieren. Zusätzlich können unter anderem Physiotherapie, Massagen und Elektrotherapie zur Anwendung kommen. Übergangsweise können orthopädische Gehhilfen eine sinnvolle Entlastung darstellen.

Eine Verlaufskontrolle ist über die Bestimmung der BAP möglich. Im Blut zeigt sich ein Behandlungserfolg nach etwa drei Monaten durch einen Abfall der BAP, Kontrollen sind dann etwa alle sechs Monate notwendig. Eine erneute Therapie ist indiziert, wenn es zum Wiederanstieg der BAP um 25 Prozent kommt.

Mehr von Avoxa