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Desinformation
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Die Tools der Leugner

Ob es der Klimawandel ist oder die Corona-Pandemie – Wissenschaftsleugnung gibt es immer wieder. Und sie funktioniert immer nach denselben Mechanismen, die unter dem Akronym PLURV zusammengefasst werden.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 06.04.2021  18:00 Uhr

U - Unerfüllbare Erwartungen

Mit dieser Strategie konfrontieren Leugner und Querdenker die Experten, indem sie beispielsweise einen exakten Grad des zu erwartenden Erfolges einer Maßnahme verlangen. Wird auf diese Forderung seriös geantwortet, also nicht mit exakten Daten (zum Beispiel Reduktion um 50 Prozent), sondern mit einer Bandbreite (Reduktion um 30 bis 70 Prozent), gilt die Forderung als unbeantwortet und bestimmte Schutzmaßnahmen werden generell als nicht realisierbar abgewertet. Und sollten den Kritikern tatsächlich plausible Antworten präsentiert werden, werden die Forderungen verschärft. Diese Strategie firmiert unter der Bezeichnung »Verschieben der Torpfosten«.

In diese Kategorie fällt auch die bewusst falsche Bewertung verschiedener Testmethoden. Bekanntlich ist es nicht möglich, einen Test zu entwickeln, der zu 100 Prozent spezifisch und sensitiv ist. Dass Tests sowohl falsch positiv als auch falsch negativ ausfallen können, wird als Argument benutzt, eine umfassende Teststrategie prinzipiell zu kritisieren. Dabei wird unterschlagen, dass die derzeit zugelassenen Tests nur zu einem verschwindend geringen Prozentsatz ein falsches Resultat liefern. In der Diskussion wird hingegen der Eindruck erweckt, dass die Tests zu gleichen Prozentsätzen richtige oder falsche Ergebnis liefern.

Und schließlich ist auch die Forderung als unerfüllbar, aber auch als unerheblich, anzusehen, nach der man klar zu differenzieren hat, ob eine Person mit Corona oder an dem Coronavirus gestorben ist.

R – Rosinenpickerei

Bei der Rosinenpickerei werden Fakten bewusst lückenhaft dargestellt, wobei man das weglässt, was für die eigene Position ungünstig ist und das hervorhebt, von dem man glaubt, dass es die eigene Position unterstreicht. Das spricht gegen alle wissenschaftlichen Prinzipien, nach denen Hypothesen unvoreingenommen mit offenem Ergebnis geprüft werden. Wer hingegen einer Ideologie nachläuft, kann diese kritische Offenheit nicht gebrauchen. Beliebt sind hier Kasuistiken, die bekanntlich von sehr bedingter Aussagekraft und in der wissenschaftlichen Beweisführung wertlos sind.

Wenn eine Diskussion tendenziös geleitet wird, kann es ein probates Mittel sein, das Thema zu wechseln, wenn die Gefahr droht, dass eine unhaltbare Position in sich zusammenzustürzen droht.

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