Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Niedergeschlagene Proteste
-
Die Risiken für Apotheken im Iran

Es kommen immer mehr Berichte ans Licht, die Gewalt gegen medizinisches Personal im Iran aufdecken. Welche Gefahren drohen Apotheken während der aktuellen Protestbewegungen? Die PZ hat mit iranisch-deutschen Apothekern darüber gesprochen.
AutorKontaktAlexandra Amanatidou
Datum 03.02.2026  18:00 Uhr

»Schreckliche Bilder und Nachrichten«

Die Apothekerin, die anonym bleiben möchte, soll jeden Tag »schreckliche Bilder« und »schreckliche Nachrichten« aus dem Iran erhalten. Die Fotos, die sie der PZ vorgelegt hat, zeigen Verletzungen an den Beinen und am Kopf. Auf einigen Bildern sind auch Tote zu sehen. »Ich möchte nicht traurig sein, ich möchte kämpfen«, sagt sie. Die Apothekerin ist politisch aktiv und gehört dem Netzwerk »Patriotic Doctors of Iran« an, das auf Social Media stark mit dem Kronprinzen Reza Pahlavi sympathisiert. Dieser lebt im Exil in den USA und ist eine umstrittene Figur. Während seine Anhänger ihn als Hoffnungsträger sehen, halten ihn andere für politisch irrelevant. Dem Netzwerk gehören eigenen Angaben zufolge medizinisches Personal in Europa und den USA an.

»Viele deutsche Apotheker können nicht wissen, mit welchen Problemen ihre Kollegen im Iran jetzt zu tun haben«, sagt sie. Durch ihr Netzwerk im Inland hat sie von zwei Verhaftungen von Apothekern in Teheran und der südwestlichen Stadt Ilam erfahren. Diese sollen wieder freigelassen worden sein, nachdem sie eine Bestätigung unterschrieben hatten, dass sie den »Kriminellen«, also den Protestierenden, nicht weiterhelfen würden. Diese Informationen lassen sich nicht unabhängig verifizieren und wurden bislang nicht von einer zweiten Quelle bestätigt. Dennoch soll das Khomeini-Krankenhaus in Ilam Anfang Januar laut einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) angegriffen worden sein. Nach der Einlieferung von Verletzten in das Krankenhaus kam es demnach innerhalb und außerhalb der Einrichtung zu Gewalttätigkeiten. Die medizinische Versorgung sei unterbrochen worden.

Auch Nejatian bestätigt, dass die Apothekerinnen und Apotheker es sehr schwer haben. »Sie spielen mit ihrer Freiheit. Sie könnten auch verhaftet werden, wie viele Ärztinnen und Ärzte«, sagt der Apotheker, der im Vorstand des Deutsch-Iranischen Vereins für medizinische Wissenschaften ist. Das Netzwerk besteht aus persischsprachigen Wissenschaftlern und Ärzten.

Mehr von Avoxa