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Senile Rhinorrhoe
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Die Nase läuft und läuft und läuft

Ständiges Naselaufen kann im Alter auch ohne Erkältung zum Dauerzustand werden. Grund ist oft eine altersbedingt veränderte Nasenschleimhaut. Welche Therapieoptionen es dann gibt, erklärt Professor Dr. Ludger Klimek, Leiter des Zentrums für Rhinologie und Allergologie in Wiesbaden.
AutorKontaktElke Wolf
Datum 24.02.2020  08:00 Uhr

Der Ursache auf den Grund

Den zugrunde liegenden Ursachen gilt es, beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt auf den Grund zu gehen. Erst dann kann eine passende Therapie eingeleitet werden. Topische Glucocorticoide kommen zum Einsatz, wenn der persistierenden Sekretion entzündliche Veränderungen zugrunde liegen. Verschiedene Eigenschaften sprechen für den Einsatz topischer Steroide wie Mometason, Fluticason, Budesonid oder Beclometason (wie Nasonex®, Flutide® Nasal, Pulmicort Topinasal®). »So ist ihre abschwellende und sekretionshemmende Wirkung auf die Nasenschleimhaut auch bei primär nicht allergischen endonasalen Schwellungszuständen beschrieben. Während es einige Tage braucht, bis antiinflammatorische Mechanismen über den Glucocorticoid-Rezeptor greifen, reduziert sich etwa die Gefäßexsudation in der entzündeten Schleimhaut bereits wenige Minuten nach Applikation«, erklärt Klimek. Und wegen ihrer Lipophilie penetrieren die Substanzen zwar rasch durch die Zellmembran. Ihre systemische Resorption sei jedoch marginal.

Andere Verhältnisse liegen vor, wenn die Schleimdrüsen in ihrer Zusammensetzung in Ungleichgewicht geraten sind und die Einflüsse parasympathischer Fasern auf die seromukösen Drüsen überwiegen. Dann können Präparate helfen, die die Muskarin-Rezeptoren der seromukösen Drüsen hemmen. Das geht mit anticholinergen Arzneistoffen wie Ipratropiumbromid (wie Atrovent®). Durch den Antagonismus am Acetylcholinrezeptor vermittelt es auch bronchienerweiternde und sekretionshemmende Effekte.

»Eigentlich findet es Einsatz zur Behandlung von COPD und Asthma, kann aber bei übermäßiger Sekretion der Nasen- und sonstigen Atemwegsschleimhäute ebenfalls verordnet werden«, sagt Klimek. Die Wirkung tritt nach rund einer Viertelstunde ein und hält bis zu sechs Stunden an. Es muss deshalb mehrmals täglich inhaliert werden. Parasympatholytika wie Tiotropiumbromid (wie Spiriva®) oder Glycopyrroniumbromid (wie Seebri®) haben eine längere Wirkdauer und sind nur einmal täglich zu inhalieren.

Sind es vorrangig mukoziliäre Transportstörungen, die die Nase laufend zur Sekretion anregen, hält Klimek den Einsatz von Phytopharmaka für indiziert. Spezialextrakte wie Sinupret® extract oder Gelomyrtol® sowie die Inhalation ätherischer Öle (wie Cineol, Menthol, Pinen) wirken sekretolytisch und entzündungshemmend. Schleimbildner aus der Eibischwurzel, Isländisch Moos oder Spitzwegerich sind bei dünnflüssigem Sekret einen Versuch wert. Mitunter ist auch die Kombination mehrerer Therapieansätze sinnvoll. 

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