| Annette Rößler |
| 06.02.2026 13:30 Uhr |
Viele Menschen bekommen bei der Lektüre des Beipackzettels Angst vor möglichen Nebenwirkungen. Bei Statinen führt dies häufig dazu, dass die Therapie abgebrochen wird. / © Adobe Stock/Dan Race
Statine und ihre möglichen Nebenwirkungen – für Heilberufler ist dazu eigentlich längst alles gesagt. In Fachkreisen ist hinlänglich bekannt, dass die Gefahr von unerwünschten Arzneimittelwirkungen (UAW) speziell dieser Arzneistoffklasse in der Bevölkerung größtenteils stark überschätzt wird. Weil die Statine für die Prävention von kardiovaskulären Erkrankungen aber unentbehrlich sind, sollte in der Beratung von Patienten alles daran gesetzt werden, diese Bedenken zu zerstreuen.
Mit gut gemachten Studien zur tatsächlichen Häufigkeit von UAW der Statine möchte dies das internationale Wissenschaftlerkonsortium Cholesterol Treatment Trialists’ (CTT) Collaboration tun. Die Gruppe fokussierte sich zunächst auf die berühmteste UAW der LDL-Senker: Muskelschmerzen beziehungsweise Muskelschwäche. 2022 veröffentlichte sie im Fachjournal »The Lancet« die Ergebnisse einer Metaanalyse, wonach Statine in Wirklichkeit nur für weniger als 10 Prozent der Muskelsymptome unter einer Statintherapie ursächlich sind.
2024 folgte dann, wieder in »The Lancet«, eine Metaanalyse zur UAW Diabetes. Das Ergebnis: Statine führen dosisabhängig zu einem leichten Anstieg des Blutzuckers und dadurch zu häufigeren Diabetes-Diagnosen – die jedoch vor allem jene Patienten betreffen, deren Blutzucker bereits vor der Statintherapie nah am Schwellenwert war. Insgesamt sei jedoch mit Blick auf das kardiovaskuläre Risiko des Patienten der Vorteil durch die LDL-Senkung größer einzuschätzen als das Risiko durch diesen geringfügigen Blutzuckeranstieg.
Jetzt legt die CTT Collaboration erneut nach und wendet sich allen anderen UAW der Statine zu. Auch diese Arbeit wurde wieder in »The Lancet« publiziert und stellt wie die anderen beiden Arbeiten eine Metaanalyse von patientenindividuellen Daten aus doppelblinden, randomisierten Studien dar, was eine sehr hochwertige Evidenz bedeutet.