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Soziale Medien
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Die Jagd nach Likes triggert negatives Körperbild

Jugendliche, die soziale Medien aktiv und intensiv nutzen, haben ein höheres Risiko, ein negatives Körperbild und problematisches Essverhalten zu entwickeln. Ein Verzicht auf Social Media kann die Symptome bessern.
AutorKontaktBrigitte M. Gensthaler
Datum 29.02.2024  11:24 Uhr

»Die Nutzung sozialer Medien macht keine Essstörungen, kann aber ein Puzzleteil sein, das Jugendliche in eine problematische Richtung treibt«, sagte Professor Dr. Katrin Giel vom Universitätsklinikum Tübingen gestern auf einer Online-Pressekonferenz zum Kongress für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. Essstörungen seien komplexe psychische Erkrankungen, zu deren Entstehung viele Faktoren beitragen, informierte die Psychologin. Dazu gehören biologische und gesellschaftliche Faktoren ebenso wie Persönlichkeitseigenschaften wie niedriger Selbstwert, Perfektionismus und soziale Ängstlichkeit. Die Coronapandemie habe die Last durch Essstörungen deutlich vergrößert und verschärft.

Längsschnittstudien hätten gezeigt, dass eine längere und intensivere Nutzung sozialer Medien das Risiko erhöht, dass Jugendliche unzufriedener mit ihrem Körper sind und problematisches Diätverhalten entwickeln. Vor allem Fotos und Videos spielten hier eine Rolle, wenn sehr dünne Körper idealisiert werden und Nutzerinnen und Nutzer inspirieren sollen, sich diesem Körperbild beispielsweise durch Hungern anzunähern.

Gefährdet sind laut Giel vor allem junge Menschen, die großen Wert auf Likes und positive Rückmeldungen legen. »Sie suchen und bekommen Anerkennung, wenn sie ihr Körperbild verändern und sich selbst optimieren«, erläuterte die Tübinger Forscherin. Das Bedürfnis Heranwachsender, einer Gruppe anzugehören, sich dort stark zu fühlen und akzeptiert zu werden, finde auf Social-Media-Kanälen einen Resonanzraum. »Der eigene Körper kann ein Vehikel sein, einer solchen Gruppe anzugehören, indem man Körperidealen nacheifert.«

Kürzlich habe eine experimentelle Studie gezeigt, dass Essstörungssymptome bei Studierenden signifikant zurückgehen, wenn diese freiwillig eine Woche auf Social-Media-Aktivitäten verzichteten. Präventiv müsse die Medienkompetenz der Jugendlichen gestärkt werden, forderte die Psychologin. Zur Prävention gehöre es, dass Jugendliche ihr eigenes Nutzungsverhalten reflektieren, die in den Medien transportierten Körperideale kritisch hinterfragen und wissen, wie Inhalte, etwa durch Einsatz von Bildbearbeitungsprogrammen oder finanzielle Interessen von Influencern, zustande kommen.

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