| Laura Rudolph |
| 20.01.2026 11:00 Uhr |
Professor Dr. Klaus Bonaventura klärte beim Pharmacon über die leitliniengerechte Therapie der Herzinsuffizienz auf. / © PZ/Alois Müller
»Eine Herzinsuffizienz ist unter allen Erkrankungen der häufigste Grund, warum Patienten stationär aufgenommen werden«, sagte Professor Dr. Klaus Bonaventura beim Fortbildungskongress Pharmacon in Schladming. Jährlich gibt es 500.000 Neuerkrankungen in Deutschland. Die Herzinsuffizienz (HI) lässt sich anhand der verbleibenden Auswurfleistung der linken Herzkammer in drei Formen unterscheiden, die entweder mit erhaltener, mittelgradig oder stark reduzierter Linksventrikelfunktion einhergehen.
Die gute Nachricht vorweg: »Die Sterblichkeit wegen Herzinsuffizienz hat insgesamt abgenommen«, so der Kardiologe vom Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam. Das liegt mitunter an den »fantastischen Vier« – dazu zählen ein ACE-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin-Inhibitoren (ARNI), ein Betablocker sowie ein Mineralocorticoid-Rezeptorantagonisten (MRA) und SGLT-2-Hemmer wie Dapagliflozin oder Empagliflozin.
In der Viererkombination bilden diese Arzneistoffgruppen die Basismedikation bei HI mit moderat oder stark verminderter Pumpleistung. »Jedes einzelne von ihnen reduziert die herzinsuffizienzbedingte Sterblichkeit. Deshalb sollten Sie Patienten unbedingt dazu motivieren, auch alle vier zu nehmen«, appellierte Bonaventura an das Auditorium. Und zwar am besten in der höchsten tolerierbaren Dosis, denn hier gilt: »Viel hilft viel«.
Alle Wirkstoffe der Viererkombi sollen möglichst innerhalb von vier Wochen nach der Diagnose angesetzt werden. Ein »Step-Approach«, wie er früher üblich war, sei heute obsolet. Bonaventura empfahl, mit einem Betablocker und SGLT-2-Inhibitor zu beginnen, und dann einen MRA und ACE-Hemmer beziehungsweise ARNI zu ergänzen.
»Zusammen reduzieren die fantastischen Vier die Sterblichkeit um 61 Prozent. Das ist der härteste aller Endpunkte. Wir waren noch nie so gut in der Reduktion der Sterblichkeit«, machte der Kardiologe klar. Er bezog sich dabei auf eine Übersichtsarbeit mit Metaanalyse, die vor vier Jahren im Journal »JACC: Heart Failure« erschien (DOI: 10.1016/j.jchf.2021.09.004).
Die HI mit erhaltener Pumpfunktion ist ein Sonderfall. Hier kommen in der Regel nur Dapagliflozin oder Empagliflozin zum Einsatz, die beide auch dafür zugelassen sind.
Trotz Basismedikation komme es immer wieder vor, dass Herzinsuffizienz-Patienten wegen einer Dekompensation erneut im Krankenhaus vorstellig werden. »Fast jeder zweite Patient wird innerhalb von 60 Tagen erneut hospitalisiert.«
Reicht die Basismedikation nicht aus, kann sie erweitert werden. Beispielsweise durch Schleifendiuretika. »Sie gehören aus meiner Sicht aber nicht in die Dauermedikation«, schränkte der Arzt ein, da sie die Nierenfunktion verschlechtern.
Als relevanter erachte Bonaventura den Zusatz von intravenösem Eisen (bei Eisenmangel) oder Vericiguat, einem Stimulator der löslichen Guanylatcyclase, was in der Praxis aber bislang nur selten bis sehr selten umgesetzt werde. »Ich gehe davon aus, dass dieser Ansatz an Bedeutung gewinnen wird«, so der Referent.
Abseits der Pharmakotherapie befinden sich derzeit smarte Technologien in der Entwicklung, um das Fortschreiten einer HI zu überwachen. So stellte der Arzt etwa ein System zur Fernüberwachung von Patienten mit schwerer Krankheitsform vor: ein winziger Sensor, der in die Lungenarterie implantiert wird und dort den Druck misst sowie frühzeitig Anzeichen einer Verschlechterung erkennt, bevor Symptome auftreten. Die Daten können drahtlos an Ärzte übermittelt werden.
Außerdem arbeite ein Start-up derzeit an einer App, die eine Dekompensation anhand der Stimme des Patienten erkennen soll. Man könne also gespannt sein, wie sich der Markt in den kommenden Jahren erweitere.