| Brigitte M. Gensthaler |
| 10.02.2026 14:30 Uhr |
Ein Typ-2-Diabetes erhöht das Risiko für bestimmte Tumoren und verschlechtert die Prognose – vor allem bei schlechter Stoffwechseleinstellung. / © Getty Images/peakStock
Übergewicht und Diabetes mellitus werden gemäß aktuellen Prognosen das Rauchen von Platz 1 der vermeidbaren Krebsursachen verdrängen, warnte die Deutsche Diabetes Gesellschaft vor einigen Jahren. Krebs sei inzwischen die häufigste Todesursache bei Menschen mit Typ-2-Diabetes.
Menschen mit Diabetes hätten bei allen urologischen Malignomen eine schlechtere Prognose als stoffwechselgesunde Menschen, berichtete Professor Dr. David Schilling vom Isar-Klinikum München kürzlich beim Kongress »Diabetologie grenzenlos« in München. Risiko und Prognose hingen unter anderem ab von Diabetesdauer und Stoffwechseleinstellung sowie von weiteren Risikofaktoren wie Inflammation, metabolischem Syndrom, Rauchen und Adipositas.
Zum Harnblasenkrebs gebe es eine deutliche Assoziation, so Schilling. Menschen mit Typ-2-Diabetes hätten ein bis zu 1,7-fach erhöhtes Risiko für diesen Tumor. »Inzidenz und Mortalität sind erhöht und invasive Karzinome sind häufiger.« Das Risiko für Karzinome im Frühstadium (Carcinoma in situ) steige mit der Dauer des Diabetes. Eine schlechte Glucose-Einstellung erhöhe die Progressionswahrscheinlichkeit.
Da es keine spezifische Früherkennungsmaßnahme für ein Harnblasenkarzinom gibt, sollten die Patienten vermehrt auf Warnzeichen achten. So müsse man eine Dysurie, Makro- und Mikrohämaturie sowie wiederkehrende Harnwegsinfekte immer abklären, riet der Urologe. Der Fokus solle auf der Reduktion oder Vermeidung von Risikofaktoren liegen, zum Beispiel Rauchen, Übergewicht und körperliche Inaktivität. Bekanntlich sind aktives und passives Rauchen die wichtigsten Risikofaktoren für Harnblasenkrebs.
»Männer mit Typ-2-Diabetes scheinen seltener an Prostatakrebs zu erkranken als Männer ohne Diabetes. Aber dies könnte ein Statistikfehler sein«, berichtete Schilling. »Doch wenn sie erkranken, ist ihre Sterblichkeit höher.«
Viele Männer mit Typ-2-Diabetes haben mit zunehmendem Alter einen Testosteron-Mangel, vor allem bei bauchbetonter Adipositas. In der Folge seien die Spiegel an prostataspezifischem Antigen (PSA) meist niedriger und daher würden Prostatakarzinome seltener erkannt. »Vor allem die weniger aggressiven Karzinome werden seltener diagnostiziert.« Werden Tumore erst im metastasierten Stadium oder bei aggressivem Verlauf entdeckt, hätten die Männer eine schlechtere Prognose und häufig eine schnellere Progression. Ihr Operationsrisiko sei höher und der Verlauf schlechter.
Der Urologe mahnte, bei Männern mit Typ-2-Diabetes besonders auf die Früherkennung zu fokussieren. »Achten Sie auf den Verlauf des PSA, nicht nur auf die absoluten Werte.« Der oft postulierte Cut-off von 4 ng/ml gelte nicht bei Patienten mit Diabetes. »Es gibt keinen harmlosen PSA-Wert, sondern wichtig ist immer die Dynamik, aber das trifft für alle Männer zu.« Ebenso solle man auf den PSA-Quotienten, also das Verhältnis von freiem zu Gesamt-PSA im Blut achten.