| 12.02.2026 10:00 Uhr |
Mit der Glucura-App sollen Patienten ihre Ernährung in kleinen Schritten innerhalb von 90 Tagen so umstellen, dass Blutzuckerspitzen vermieden werden und sich der Langzeit-Blutzucker verbessert. Dazu wird ein Glucosesensor für eine 14-tägige Nutzung mitgeliefert (Symbolbild). / © Getty Images/Westend61/Vira Simon
Erstmals vorläufig aufgenommen ins DiGA-Verzeichnis des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) wurde Glucura im Januar 2024. Nun konnte der Anbieter Perfood offensichtlich die nötigen Daten für eine dauerhafte Aufnahme und damit Erstattungsfähigkeit zulasten der Gesetzlichen Krankenversicherung erbringen, also einen positiven Versorgungseffekt nachweisen.
Diese DiGA kann nicht-insulinpflichtigen Patienten mit Typ-2-Diabetes für drei Monate verordnet werden; die Kosten betragen knapp 500 Euro. Neben der digitalen Anwendung erhält der Patient einen Glucosesensor, den er in den ersten zwei Wochen trägt. Laut Anbieter ist es die erste dauerhaft gelistete DiGA, die eine evidenzbasierte, App-basierte Lebensstilintervention mit der Analyse von CGM-Daten (Continuous Glucose Monitoring) ermöglicht.
Screenshots der Glucura-App / © Perfood
Während der 90-tägigen Anwendung führt der Nutzende in der App ein Ernährungstagebuch. Mahlzeiten können auch über Bilderkennung getrackt werden. Die CGM-Daten fließen in die App ein. Darauf basierend bekommt der Patient personalisierte Ernährungsanpassungen, Lernmodule und ein Verhaltenstraining. Dadurch sollen postprandiale Blutzuckerschwankungen, der Langzeit-Zuckerwert HbA1c und das Körpergewicht reduziert werden. Die DiGA kann sowohl als Erstlinientherapie zur leitliniengerechten Lebensstilintervention als auch parallel zur Arzneimitteltherapie ärztlich verordnet werden.
In einer Studie sollte eine Gruppe die DiGA mit kontinuierlicher Glucosemessung nutzen, während die Vergleichsgruppe nur ein CGM bekam. Der HbA1c-Wert sank demnach bei den DiGA-Nutzern gegenüber der Vergleichsgruppe um 0,8 Prozentpunkte. 54,8 Prozent der Interventionsgruppe erreichten den angestrebten Zielwert unter 7,0 Prozent, heißt es in einer Pressemitteilung von Perfood. Bei 27 Prozent sank der HbA1c sogar auf unter 6,5 Prozent, was auf eine Remission hindeute. 40,5 Prozent der Interventionsgruppe konnten zudem ihr Gewicht innerhalb von sechs Monaten um mehr als 5 Prozent reduzieren.
Die DiGA soll laut Perfood-Geschäftsführer Dominik Burziwoda helfen, die Freude am Essen zu erhalten – Grundvoraussetzung für eine dauerhafte Änderung des Essverhaltens. »Betroffene müssen nicht ihre gesamten Ernährungsgewohnheiten umkrempeln. Stattdessen hilft Glucura dabei, die „guten“ Lebensmittel herauszufinden und den Großteil der Lieblingsspeisen beibehalten oder modifizieren zu können.«
Ebenfalls dauerhaft ins DiGA-Verzeichnis aufgenommen sind »HelloBetter Diabetes« und »Vitadio«; vorläufig ist »Una Health für Diabetes«. HelloBetter Diabetes ist ein interaktives psychologisches Therapieprogramm zur Reduktion der depressiven Symptomschwere bei Personen mit Diabetes mellitus Typ 1 oder Typ 2. Vitadio soll zu einem besseren Selbstmanagement und Lebensstil befähigen mit Tipps zu Ernährung, körperlicher Aktivität, Schlafhygiene, psychischem Wohlbefinden und so weiter. Una Health für Diabetes ist ebenfalls ein verhaltenstherapeutisches Programm für besseres Selbstmanagement.