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Hohe Hürden
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Derzeit nur geringe Pandemiegefahr durch Vogelgrippevirus

Gerade grassiert eine Epidemie des Vogelgrippevirus H5N1 von beispiellosem Ausmaß. Wenn sich dieses Virus auch an den Menschen anpassen könnte, wäre das eine Katastrophe. Dies scheint momentan aber aus mehreren Gründen wenig wahrscheinlich.
AutorKontaktTheo Dingermann
Datum 11.04.2023  11:00 Uhr

Auf der Nachrichtenseite des Wissenschaftsjournals »Science« berichtet der Wissenschaftsjournalist Kai Kupferschmidt über seine Recherche zur Frage, wie wahrscheinlich es ist, dass das Vogelgrippevirus H5N1 sich so an den Menschen anpassen könnte, dass es gefährlich wird. Diese Frage ist brandaktuell, denn derzeit grassiert H5N1 unter Wildvögeln und anderen Tieren, darunter Seelöwen, Seehunden, Nerzen und Grizzlybären in einem bis dahin noch nicht beobachteten Ausmaß.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) schätzt die Gefahren, die von diesem Virus für den Menschen ausgehen, bisher als gering ein. Denn die bisherigen Erfahrungen mit Influenza H5N1 haben gezeigt, dass nur Menschen mit engem Kontakt zu infiziertem Nutzgeflügel gefährdet sind, sich zu infizieren. Insgesamt sei das Risiko jedoch auch dann als sehr gering einzuschätzen, so das RKI.

Nicht an den Menschen angepasst

Damit H5N1 nicht nur Menschen infizieren, sondern auch von einem Menschen auf einen anderen überspringen kann, sind nach heutigem Wissen etliche genetische Anpassungen erforderlich. So ist es nicht verwunderlich, dass keiner der wenigen Menschen, die sich mit der derzeit kursierende Klade 2.3.4.4b-Variante von H5N1 infiziert haben, das Virus an andere Menschen weitergegeben hat. Denn in seiner jetzigen Form fehlen dem das Virus zwei relevante Eigenschaften: Weder ist es in der Lage, effizient menschliches Lungengewebe zu infizieren, noch kann es sich über die Luft ausbreiten. Die Vögel infizieren sich, indem das Virus über Zellen im Darm in den Organismus der Tiere gelangt, und die Verbreitung erfolgt über durch mit Fäkalien kontaminiertes Wasser und nicht über die Luft.

Die Klade 2.3.4.4b sei vor allem und mehr als alle vorherigen Kladen ein Vogelvirus, sagt der Virologe Professor Dr. Martin Beer vom Friedrich-Loeffler-Institut auf Nachfrage von Kupferschmidt. Deshalb habe es sich bei Vögeln so weit verbreitet. Und deshalb sei es so schlecht darin, Menschen zu infizieren. Dies habe man auch experimentell zeigen können, so Beer. So sei es bisher nicht gelungen, menschliches Lungengewebe im Labor effizient mit dem Virus zu infizieren.

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