| Jennifer Evans |
| 05.08.2026 10:30 Uhr |
Wer gut gelaunt ist, deutet Gesichtsausdrücke anderer oft positiver. Wer dagegen selbst bedrückt ist, übersieht leichter feine Signale. / © Adobe Stock/Robert Kneschke
Ein kaum wahrnehmbares Lächeln, ein angedeutetes Stirnrunzeln, ein kurzer Blick zur Seite – das Apothekenteam begegnet solchen Signalen täglich. Sie verraten etwas über Emotionen, Absichten oder die innere Verfassung des Gegenübers. Wer diese subtilen Hinweise lesen kann, schafft Vertrauen, erleichtert das Zusammenwirken und festigt Beziehungen.
Doch auch die eigene Stimmung beeinflusst, wie Menschen Mimik deuten. Forschende der Tokyo University of Science (TUS) weisen in einer Pressemitteilung der Universität darauf hin, dass gut gelaunte oder glückliche Personen Gesichtsausdrücke oft freundlicher interpretieren, während bedrückte Menschen positive Regungen leichter übersehen. Dabei kommt der Effekt der sogenannten stimmungskongruenten Erinnerung zum Tragen. Er besagt, dass Menschen sich eher an jene vergangenen Ereignisse erinnern, die ihrer aktuellen Stimmung entsprechen.
Ein Team von Forschenden der TUS sowie der Universität Exeter wollte wissen, wie Personen in positiver Stimmung fröhliche Gesichtsausdrücke wahrnehmen – und wie sich dieser Effekt verändert, wenn eine Maske den unteren Teil des Gesichts des Gegenübers verdeckt. Die Ergebnisse erschienen im Fachjournal »Scientific Reports«.
In der kleinen Studie schauten gut 50 Erwachsene entweder ein Comedy-Video oder eine neutrale Wettervorhersage. Anschließend bewerteten sie verschiedene Gesichtsausdrücke. Nach der Comedy-Sequenz erkannten die Teilnehmenden feine positive Regungen zuverlässiger. Einflüsse auf die negative Mimik hatte der Test nicht. Das Team folgerte, dass kurze humorvolle Inhalte die Sensibilität für subtile positive Signale erhöhen können.
Sobald jedoch eine Maske im Spiel war, sah es anders aus. Der verdeckte Mundbereich nahm entscheidende Hinweise, die für die Interpretation etwa eines leichten Lächelns wichtig sind. Gesichter mit Masken erzeugten zudem mehr Unsicherheit, sodass Menschen ihren eigenen emotionalen Zustand seltener auf andere projizierten, so die Forschenden.
Individuelle Faktoren verstärkten diese Effekte: Personen mit hoher Fähigkeit zur Perspektivübernahme – einer zentralen Komponente der Empathie – identifizierten nach dem Comedy-Video positive Gesichtsausdrücke besser. Die Forschenden betonen, dass diese Erkenntnisse für viele Bereiche relevant sind, vom Gesundheits- und Sozialwesen bis zum Arbeitsplatz. Entsprechende Methoden könnten in Situationen zu einer reibungsloseren Kommunikation beitragen, in denen das Verstehen der Emotionen anderer entscheidend ist.