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Bis zu 33 mmHg mehr
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Das verfälscht die Blutdruck-Messung

Die Blutdruckmessung ist anfällig für Fehler. Nicht nur die Messung an sich, auch physiologische Faktoren können das Ergebnis beeinflussen. Zudem muss das Messgerät bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Worauf Apotheker und Patienten achten sollten.
AutorKontaktCarolin Lang
Datum 24.11.2023  11:30 Uhr
Das verfälscht die Blutdruck-Messung

»Der Bluthochdruck ist der wichtigste Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen«, betonte Dr. Lucas Lauder vom Universitätsklinikum des Saarlandes bei einem Webinar der Reihe »pDL Campus live« von der ABDA. Deswegen sei es so wichtig, den Blutdruck zu messen – und zwar richtig. Die Blutdruckmessung sei äußerst fehleranfällig, stellte der Kardiologe klar. Nicht nur prozedurale, sondern auch physiologische Faktoren könnten das Ergebnis beeinflussen (siehe Tabelle). Umso wichtiger sei eine standardisierte Durchführung.

Idealerweise befinde sich der Patient dazu in einer ruhigen Umgebung mit angenehmer Temperatur. In der Stunde vor der Messung sollte der Patient auf koffeinhaltige Getränke, Alkohol und Nikotin verzichten. Die Messung solle nach etwa fünf Minuten Ruhe erfolgen. Der Patient solle aufrecht sitzen und während der Messung nicht sprechen. Seine Füße sollten auf dem Boden stehen und die Beine nicht gekreuzt sein. Der Arm sollte, bequem abgestützt, ruhen und die Manschette auf den Armumfang des Patienten abgestimmt sein.

Physiologische Faktoren Effekt auf den Blutdruck (mmHg)
kürzlich eingenommene Mahlzeit -6
kürzlicher Alkohol- bzw. Koffeinkonsum -24 bis +24 bzw. +3 bis +14
gefüllte Harnblase +4 bis +33
Kälteexposition +5 bis +32
Prozedurale Faktoren Effekt auf den Blutdruck (mmHg)
fehlende Ruhepause +4 bis +12
Einzelmessung +3 bis +10
Sprechen während der Messung +4 bis +19
Messung unterhalb der Herzhöhe +4 bis +23
Messung mit gekreuzten Beinen +3 bis +15

Die Armmanschette sollte auf Herzhöhe, etwa zwei Querfinger breit oberhalb des Ellenbogens, sitzen, ergänzte Dr. Katja Renner. »Achten Sie darauf, dass der Luftschlauch sich auf der Innenseite des Armes befindet und Richtung Mittelfinger ragt«, erinnerte die Apothekerin und ATHINA-Tutorin. Ein Handgelenkmessgerät ist während der Messung ebenfalls auf Herzhöhe zu positionieren. Zurückgeschobene Kleidung darf den Messarm nicht abschnüren. »Dann gibt das kein gutes Ergebnis«, stellte Renner klar.

Bei der professionellen Dreifachmessung sollte zwischen den einzelnen Messungen unbedingt ein zeitlicher Abstand von ein bis zwei Minuten liegen, machte Lauder deutlich. Diese Zeit reiche aus, dass sich die Gefäße wieder weitstellen. »Die Gefäße sind sehr reagibel und können schnell die Vasokonstriktion und -Dilatation anpassen«, erklärte er. Die erste Messung würde dann verworfen, weil sie anfälliger für den Weißkitteleffekt sei. Die Ergebnisse der letzten beiden Messungen werden gemittelt.

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